search instagram arrow-down

Palim Palim

Instagram

Facebook

Fast vergessen

Follow Mein Fahrrad, die Welt und ich on WordPress.com

Kapitel I: Von Lübeck nach Maribo

Nach Monaten der Vorbereitung, nach Jahren der Gedankenspiele starte ich endlich auf meine Reise um die Welt mit dem Fahrrad. Der erste Tag ist der letzte Tag der Abschiede und eine Achterbahn der Gefühle zwischen hungrigen Möwen und laufenden Dänen. Hinsetzen, Anschnallen, Los.

Alle Bilder aus Dänemark

Es ist 7.30 Uhr am 17. Mai 2017. Der Wecker reißt mich nach unruhigen 5 Stunden aus dem Schlaf. Ich habe geträumt, dass ich auf einem Naturlagerplatz in Dänemark übernachtet habe. Der Platz lag auf einem Grünstreifen zwischen den Fahrbahnen einer Autobahn. Ich entscheide mich, die erste Nacht auf einem Zeltplatz zu übernachten.

Der Tag der Tage, schreibt Dana. Anna versucht ein weiteres Mal, mich zu überreden, das Rad zu vergessen und nach Konstanz zurückzukehren. Dafür ist es längst zu spät. Auf einem Schrank vor meinem Bett hängt ein gelber Klebezettel. Den hatte ich aufgehängt, bevor ich ins Bett gegangen bin. „Zelt, Messer, Tagebuch“ steht darauf. Ich hole das frisch imprägnierte Zelt, suche meine Messer, die beim Umzug in eine unbekannte Schublade geraten sind, und krame nach einem Notizbuch, dessen Seiten noch weiß sind. Ich packe alles in die bereits übervollen Taschen, bevor es ein letztes Mal Frühstück à la Lulu gibt: Naturjoghurt, Limette, Honig, Zimt, Granatapfel, Kiwi, Paranüsse, Leinsaat, Datteln, Dinkelpops. Ich weiß, was ihr jetzt denkt: WTF! Aber ich liebe es zu frühstücken.

Das Fahrrad kommt erst mal ins Auto. Das Mamataxi besteht darauf, Anton und mich persönlich in Puttgarden auf Fehmarn abzusetzen. Ich habe nichts dagegen. 90 Kilometer, die ich schon hundert Mal gefahren bin, spare ich mir nur allzu gern. Es kommen noch genug Kilometer auf mich zu. Und Mama freut sich, den Abschied noch aufschieben zu können. Während ich Tasche für Tasche verstaue, versuche ich erneut zu begreifen, was ich da vorhabe. Es ist, als würde ich versuchen, mir die Unendlichkeit des Weltraums vorzustellen, was ich als Kind immer gemacht habe. Das Gefühl ist beängstigend.

Zwischenstopp in Lübeck. Meine Mama erhält eine Konto-Vollmacht, ich erhalte Reisehäppchen von Familie Gewiss. Was für ein Glück, denn zum Bäcker schaffe ich es nicht mehr. An der Fähre bekomme ich das große Flattern. Scheiße! Was mache ich denn hier? Bin ich völlig bescheuert? Ich fahre allein um die Welt, zwei Jahre kein Zuhause, keine spontanen Besuche bei Anna zum Gintonic trinken, kein Seafoodfestival mit Susu und ihrer Glutenunverträglichkeit, kein Tretboot-Ausflug auf den Bodensee… muss ich noch mehr aufzählen? Das Flattern geht so schnell, wie es gekommen ist. Krass, ich fahre jetzt um die Welt. Wie geil ist das denn. Die Gefühle fahren Achterbahn. Die nächste Fähre legt an, es ist 15 Uhr. Die Schiffsklappe öffnet sich – kommt da doch tatsächlich ein Zug aus dem Schiff gefahren! Ob die Leute aussteigen dürfen während der Zugfahrt mit dem Schiff?

Auf der Fähre stürzt sich das erste wilde Tier auf mich. Eine Möwe kommt im Sturzflug auf mich herabgeschossen. Ich nehme sie nur aus dem Augenwinkel wahr, denke, sie hat es auf mich abgesehen. Im Blick aber hat sie mein Sandwich. Ich rette mein Sandwich und mich selbst. Das fängt ja gut an, denke ich, aber: überlebt! Und es fängt wirklich gut an. Auf der Fahrt nach Dänemark reißt der Himmel auf. Seit Wochen friere ich mir in Lübeck den Arsch ab, habe sogar meine Wintersachen nach dem Umzug wieder herausgeholt – und dann: gehe ich auf Weltreise und der Sommer ist da!

Dann geht es endlich aufs Fahrrad. Nach Wochen – ach was, Monaten – geht es endlich los. Ich bin keine zwei Kilometer unterwegs, da habe ich mich bereits das erste Mal verfahren und meinen ersten Weggefährten gefunden. Jens, von seinen Freunden Bucky genannt, ist auf dem Weg ins nächste Dorf, er läuft. Als ich gerade an ihm vorbeifahren will, spricht er mich an. Wo ich hin will? Um die Welt. Seit wann ich unterwegs sei? Seit 20 Minuten. Ich lache. Die nächsten 10 Kilometer bewältigen wir zusammen. Ich mit dem Fahrrad, er zu Fuß. Ich habe ein schlechtes Gewissen, doch als er berichtet, dass er den Berlin Marathon mehrmals mitgelaufen und an einem Tag von Berlin nach Kopenhagen mit dem Fahrrad gefahren sei, mache ich mir keine Gedanken mehr. Ein Foto zum Abschied, er empfiehlt mir, in Maribo am See zu übernachten, dann trennen sich unsere Wege.

Mit einem 13er-Schnitt fahre ich völlig entspannt und von Endorphinen überflutet nach Maribo. Der erste Tag ist vielleicht der wichtigste auf so einer Reise, so wie das Frühstück für mich die wichtigste Mahlzeit ist. Der erste Tag ist meist geprägt vom Grübeln und Zweifeln. Wenn dann die äußeren Umstände nicht passen, ist das großer Mist: Auf Island hatte ich so einen ersten Tag, es ist alles schiefgelaufen. Ich bin nach 30 Kilometern halb erfroren und klitschnass in Egilsstadir angekommen und wollte die Reise nur noch abbrechen, ich wollte zur Fähre zurückfahren und zurück nach Hause in mein warmes, kuscheliges Zimmer. Ich habe mir stattdessen ein Hotelzimmer genommen. So viel Geld habe ich auf der gesamten Reise nicht mehr ausgegeben, doch es hat geholfen. Ich habe geduscht, mich aufgewärmt. Zwei Amerikanerinnen haben mich zum Abendbrot eingeladen, es gab Fisch. Danach bin ich weiter gefahren.

Lange Rede, kurzer Sinn. Der erste Tag ist wichtig – und er war großartig. Morgen kehrt der Alltag, die Routine ein, vielleicht auch Ernüchterung, Heimweh. Aber heute bin ich mit meinem Fahrrad auf eine Reise um die Welt gestartet.

Tag 1 | Rødbyhavn – Maribo | 28,5 Kilometer | 2 Stunden 17 Minuten | 12,4 Kilometer im Schnitt | 70 Höhenmeter

Alle Bilder aus Dänemark

6 comments on “Kein Witz! Ich fahre wirklich um die Welt

  1. Holli sagt:

    Toller Bericht!!!!! Wir freuen uns auf weitere tolle Informationen deiner unglaublichen Tour um die Welt! Küsschen Luis, Silke und Holli

    Gefällt mir

  2. Angela Klaus sagt:

    Und jetzt drückt auch Holli’s Schwägerin, Silke’s Schwester und Luis’s Tante die Daumen und folgt dir um die Welt.

    Gefällt mir

  3. Heiko Barkmann sagt:

    Respekt!! Viel Erfolg und Spaß!!! Gesund bleiben…..

    Gefällt mir

  4. Takeshi sagt:

    Hallo Luisa, das ist ja vielleicht ein spannendes Vorhaben! Nachdem ich gestern auf Deinen Blog gestoßen bin, habe ich alles bisherige in einem Rutsch gelesen. Wow zum angedachten Zeitraum, Hut ab zu den einsamen Nächten im Zelt! Schön, wenn ein Bericht es schafft, so mitzunehmen.
    Gute Fahrt weiterhin wünsche ich Dir, mit viel Wind im Rücken und wenig davon auf dem nächtlichen Zeltdach 🙂

    Gefällt mir

  5. Hallo Luisa!
    Wir sind zwar nicht gebürtig aus Lübeck, haben jedoch die letzten 5 Jahre dort gearbeitet und sind nun selber seit dem 9.3.2017 auf Weltreise!
    Tolles Vorhaben! Wir wünschen immer ordentlich Rückenwind! 👍

    Gefällt mir

    1. luisarische sagt:

      Hallo ihr Zwei, vielen Dank für die guten Rückenwindwünsche. Die kann ich immer gebrauchen 😃. Ich hoffe, ihr habt auf eurer Reise genauso viel Spaß und wünsche euch alles Gute und viele schöne Erlebnisse 🤗.

      Gefällt 1 Person

Kommentar verfassen
Your email address will not be published. Required fields are marked *

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: