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Kapitel II: Von Maribo nach Kopenhagen

Der Alltag beginnt – fast. Noch muss ich mich an den Gedanken gewöhnen, dass mein Leben die kommenden Monate ein anderes sein wird. Die erste Nacht Wildzelten erinnert mich an eine Szene aus Supernatural.

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Schlaf ist die Ausnahme während der ersten Nacht im Zelt. Emotional immer noch völlig aufgedreht, finde ich keine Position auf der Isomatte, die mich zu Ruhe kommen lässt. 2.46 Uhr, 3.51 Uhr, 5.21 Uhr. Die Zeit schleicht dem nächsten Morgen entgegen. Der fühlt sich wiederum völlig absurd an. „Ist das gestern wirklich alles passiert?“, frage ich mich. Ich liege in einem Zelt in Maribo – was dafür spricht. Dagegen spricht, dass es sich wie ein Traum anfühlt, dessen Bilder allerdings nicht verschwinden wollen.

Es ist der Morgen danach, der Morgen nach einem Tag im Rausch. Es fühlt sich an, als ob ich die ganze Nacht gefeiert und getrunken hätte und nun mit einem Kater aufwache. Der Rausch ist vorbei, die Realität zurück. 700 bis 800 Tage. Das ist der erste Tag nach dem ersten Tag. Keine Panik. Ich decke mich mit Brötchen beim nächsten Bäcker ein, dann geht es zurück in den Sattel. Mein Ziel: Praesto.

Es stürmt, doch der Wind kommt von hinten, die Fahrt ist völlig entspannt. Mein Weg führt mich durch Guldborg und Orehoved immer weiter in den Norden, alle Wege und Ziele sind ausgeschildert, das Handy brauche ich nicht, um zu navigieren. Diese Nacht entscheide ich mich, mein Zelt auf einem Naturlagerplatz aufzuschlagen. Drei Kilometer hinter Praesto liegt Faksinge Skov, dort ist es erlaubt, wild zu zelten. „Sieht aber idyllisch aus“, schreibt mir Dana als Reaktion auf ein Bild, das ich ihr tagsüber von meinem Zelt mitten im Wald schicke. Was ich zu diesem Zeitpunkt nicht weiß, die zweite Nacht wird schlimmer als die erste.

Es ist dunkel. Blätter rascheln, Vögel zwitschern, Äste knacken, Frösche quaken. Ist da jemand? Von einer Sekunde zur nächsten nimmt der Wind zu, ich höre ihn, wie er aus der Ferne kommt und schließlich über mein Zelt hinwegfegt. In dieser Nacht höre ich alles. Ich kann gar nicht weghören. Ich muss an eine Szene aus Supernatural denken. Ich glaube, es war die erste Folge. Zwei Freunde übernachten allein im Wald, den nächsten Morgen erleben sie nicht mehr. Ein Monster holt sie mitten in der Nacht. Um ehrlich zu sein, denke ich nicht nur an diese Szene, sondern irgendwie an jede Filmszene eines jeden Horrorfilms, den ich gesehen habe, in dem Menschen allein im Wald übernachten. Sollte ich mir Oropax in die Gehörgänge quetschen? Wie ich einschlafe, merke ich dann gar nicht. Wie ich aufwache schon – und es steckt mir kein Messer zwischen den Rippen. Auf nach Kopenhagen.

90 Kilometer liegen an diesem Tag vor mir. Handy und iPad laufen nur noch im Stromsparmodus, das Solarladegerät rettet mich durch den Tag. Die ersten Kilometer führen nur an der Straße entlang, bergauf, bergab, bergauf, bergab. Es gibt schönere Wege. Erst kurz vor Kopenhagen biegt der Radweg zur Ostsee ab. Endlich. Meer. Sonne. Kopenhagen am Horizont. Diese Nacht schlafe ich auf einem Zeltplatz.

Tag 2 | Maribo – Faksinge Skov | 71 Kilometer | 4 Stunden 24 Minuten | 16 Kilometer im Schnitt | 373 Höhenmeter

Tag 3 | Faksinge Skov – Kopenhagen | 94 Kilometer | 6 Stunden 18 Minuten | 15 Kilometer im Schnitt | 344 Höhenmeter

Alles Bilder aus Dänemark

3 comments on “Nach dem Rausch kommt die Horrornacht

  1. Claudi sagt:

    In Gedanken radle ich mit. Mein Kopf ist schon unterwegs.
    Luisa, wenn Du durch Norwegen fährst, gibt es in Bardu und in Innset (beides etwa Höhe Tromsö) jeweils eine Huskyfarm, die von Freunden von mir betrieben werden. Jan und Ane leben in Bardu, Björn und Regina in Innset. Ein Abstecher lohnt sich allemal, besonders wenn Du Hunde liebst. Bis auf Ane stammen alle aus Deutschland. Übernachten kannst Du dort auch.
    Wünsche Dir alles Gute auf Deinem Weg.
    Claudi

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    1. luisarische sagt:

      Das ist ja super. Ich habe mein Trauma immer noch nicht überwunden 🙈

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