search instagram arrow-down

Palim Palim

Instagram

Facebook

Fast vergessen

Follow Mein Fahrrad, die Welt und ich on WordPress.com

Kapitel IV: Von Åsa nach Grebbestad

Dauercamper in Lauerstellung, Verwirrung beim Einkaufen und ein unüberwindbares Trauma: Schweden, Teil 2 – oder wie ich mir den Po wundsitze.

Alle Bilder aus Schweden

Bevor der Wahnsinn auf dem Zeltplatz mich einholen kann, sitze ich schon wieder im Sattel. Wie ein Außerirdischer beim Geldabheben in der Bank hat sich das Zelten in Åsa angefühlt, begafft vom Volke der kleinkarierten Dauercamper. Zurück auf mein Raumschiff mit Lurchi-Antrieb. Das befreit.

Spätestens als ich in die Pedale trete, ist der Frust schon wieder verflogen. Denn ich weiß, an der nächsten Ecke wartet ein Bäcker mit frisch gebackenen Brötchen und Earl-Grey-Tee auf mich. Es ist der erste Bäcker in Schweden, der mir den Morgen mit alten Traditionen versüßt. Was ich auf meiner Reise vermisse: frisch aufgebrühten Tee zu jeder Zeit – aber für Wasserkocher und Teekanne war leider kein Platz mehr.

Erstes Wegziel an diesem Tag ist Göteborg. Der Radweg ist traumhaft, Wegführung und Beschilderung. Von Kungsbacka geht es in einem Bogen ans Meer: steile Küsten und winzige Sandstrände, rote  Umkleiden und babyblaue Badehäuschen, Segelyachten, Fischerboote. Bei Sonne und blauem Himmel: ein Traum in gelbblau sozusagen. Kurz noch die Füße ins Wasser, dann bin ich schon in Göteborg und schlendere zwei Stunden durch Altstadt und Fußgängerzone zum Hafen.

Bis zu diesem Zeitpunkt glaube ich noch,  diese Nacht wild zu zelten. Geld sparen. Die schwedischen Campingplätze verlangen horrende Preise. Als ich jedoch in Göteborg am Hafen sitze, und darüber nachdenke, mir ein gemütliches Plätzchen für mein Zelt zu suchen, wird mir flau im Magen. Ich will nicht wild zelten. Ich will nicht allein im dunklen Wald schlafen. Mit all diesen Geräuschen. Erinnerungen an Dänemark, mein Trauma. Irgendwann muss ich meine Angst überwinden, das ist mir klar. Nur heute, heute vielleicht noch nicht.

Zurück aufs Fahrrad, Noah and the Whale auf die Ohren und los geht’s. Der weitere Radweg ist wenig spektakulär. 50 Kilometer später lande ich sicher in Stenungsund. Während ich auf dem Rad keinen Freund an meiner Seite vermisse (ich habe ja Anton zum Plaudern 😂), ist es abends dagegen umso befremdlicher, allein zu sein, allein das Zelt aufzubauen, allein zu kochen, allein über den Tag nachzudenken. Allein, allein. Schlafen und ab aufs Fahrrad. Das befreit.

Tjörnbron wartet am nächsten Morgen auf mich. Die 664 Meter lange und 43 Meter hohe Brücke führt mich nach Sundsandvik. Dort hebe ich noch Geld ab – 100 Euro, da er 80 nicht ausspucken will – , bevor es über die schwedischen Inseln der Westküste geht. So schön diese Inseln auch sind, sind sie für Radfahrer eher ungeeignet. Die Straße ist der Radweg und jeder Depp zwischen Norwegen und Dänemark scheint diese Straße zu nutzen. Von den Inseln bekomme ich nicht viel mit – da mit Verkehr beschäftigt. Nach 40 Kilometern nutze ich die erste Gelegenheit abzudrehen und steuere Hamburgsund an.

In Hamburgsund besorge ich mir noch Kraftfutter im Supermarkt. Das zuvor abgehobene Geld ist auf einen Schlag weg. 100 Euro? Das ging fix, das kann nicht sein.   Ne, kann es auch nicht nicht. Ich, Vollpfosten, habe natürlich keine 100 Euro, sondern 100 Kronen abgehoben, 10 Euro – und ich wollte 8 Euro haben. Der Automat muss auch gedacht haben, ich bin bescheuert. Vor lauter Verwirrung lasse ich gleich noch den halben Einkauf liegen. Als ich draußen bin, fällt mir auf, dass das Salatdressing fehlt. Ich gehe zurück in den Supermarkt – und der Verkäufer drückt mir nicht nur das Dressing in die Hand. „Ups. Tak. Sorry und Bye“. Ich gehe dann jetzt mal schlafen.

Neuer Tag, alte Routinen, neue Wege. Nach 240 Kilometern in zwei Tagen und einem bis auf die Knochen wundgesessenen Po (na gut, ganz so schlimm ist es nicht, mit Kniebeugen beim Radfahren sorge ich für zweitweise Entlastung) ist an diesem Tag nur Ausradeln angesagt, 25 Kilometer treten bis zum nächsten Campingplatz. Das Programm nicht weniger aufregend: lange duschen, Wäsche machen, FaceTimen und Skypen, Nudeln essen – eine ganze Packung, ich allein. Die hält sonst drei Tage. Aber die Umstände sind ja außergewöhnlich. Der letzte Tag in Schweden endet mit Wolken.

Tag 10 | Åsa – Stenungsund | 131 Kilometer | 7 Stunden 52 Minuten | 16,6 Kilometer im Schnitt | 735 Höhenmeter

Tag 11 | Stenungsund – Hamburgsund | 107,6 Kilometer | 7 Stunden 6 Minuten | 15,1 Kilometer im Schnitt | 1037 Höhenmeter

Tag 12 | Hamburgsund – Grebbestad | 22,6 Kilometer | 1 Stunden 26 Minuten | 15,6 Kilometer im Schnitt | 243 Höhenmeter

Alle Bilder aus Schweden


Kommentar verfassen
Your email address will not be published. Required fields are marked *

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: