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Zwischenspiel II: Auf einen Quickie mit Oslo

Nachdem ich von Kopenhagen bis Oslo täglich mit Anton unterwegs war, ruhe ich zwei Tage in der norwegischen Hauptstadt. Auf eine Verfolgungsjagd durch Oslo muss ich aufgrund mangelnder Präsenz der anderen zwei der #terrific3 verzichten, stattdessen beginne ich, nach und nach die Entschleunigung zu genießen und tausche mit einem Norweger Facebook-Accounts aus. Ja, so machen die jungen Menschen das heute!

Bilder aus Norwegen: Svinesund – Trondheim

Der kreischende Ton einer Sirene nähert sich. Das Signal ist so schrill, dass selbst das Martinshorn der US-amerikanischen Feuerwehren dagegen abstinkt. Eine schwarze Limousine schießt mit quietschenden Reifen um die Kurve an der Storgata. Zwei wild um sich drehende Blaulichter auf Dach und Amaturenbrett lassen darauf schließen, dass es Polizisten sind, die hinter den getönten Scheiben sitzen. 

Wüste Geschichten setzen sich in meinem Kopf wie Puzzle zusammen – eine fantasievoller als die nächste. Kriminalpolizei, Agenten, Mordermittler? Ich fühle mich wie in einem Roman von Jo Nesbø. Dana, wirf den Motor an! Anna, fahr das Auto vor! Dana, Anna … wo seid ihr denn…? 2000 Kilometer entfernt. Dann verfolgen wir die Polizei heute eben nicht… alte Zeiten… früher war alles… quatsch, ich bin auf Weltreise! Die Realität ist wahrscheinlich halb so wild wie die Geschichten in meinem Kopf. Zurück zu Oslo…

Halb 10. Die Stadt schläft scheinbar noch, zumindest das touristische Geschäft, in allen Läden regiert Dunkelheit. Ich versuche, mir im Kopf zu notieren, wo ich später überall noch rein will. Earl Grey in der einen, Iron Man (frisch gemixter Fruchtsaft u.a. mit Erdbeeren und Kiwis) in der anderen Hand, einen Mini-Brownie im Mund. 

Wo ich hinlaufe? Keinen Plan. Ich lasse mich treiben und lande auf dem Opernhaus und der Akershus Festung, vorbei an Rathaus und Hafen, durch das Stadtzentrum zum königlichen Schloss. Ich setze mich in ein Café und sitze erst einmal fest. Die Speisekarte durchzuschlemmen braucht schließlich Zeit. Brownies mit weißer Zuckercreme, Karamellkäsekuchen, Orangenscones, Haselnusskäsekuchen, Chai Rooibos Latte, geräucherter Lachs mit Rosmarinkartoffeln, Earl Grey. Wifi gibt es gratis dazu. Dann kann ich gleich mal wieder aufholen, was das Schreibgedöns betrifft. 

Oslo lässt mich für einen kurzen Moment ankommen. Ich nutze die Gelegenheit, bereite mich auf die kommenden Tag vor und plane löse meine Route bis zum Nordkapp: Von Oslo geht es über Lillehammer und Trondheim nach Brønnøysund ans Meer, den Europaradweg entlang nach Bodø, von dort mit der Fähre auf die Lofoten, über Bardu nach Tromsø und mit der Fähre ans Kap. Campingplätze stehen nur unregelmäßig auf dem Plan, zum Wäsche waschen, Akkus aufladen, Menschen um einen haben. Sonst ist das Motto: into the Wild, wildes Zelten, überall und nirgendwo… also erst, sobald ich die Matratze in Oslo wieder verlassen muss…

Zeitweiliger Stillstand nach Tagen des Vorankommens gleicht aus. Es fühlt sich an, als ob der Start zu meiner Abenteuerreise eine Ewigkeit zurückliegt. Ich lebe die Entschleunigung. Der Sekundenzeiger hat seinen Takt verändert, er hat ihn verloren. Die Sonne gibt die Zeit vor. Nicht, dass ich sie lesen könnte, aber das Licht bestimmt meinen Rhythmus. Welcher Wochentag ist, weiß ich oft gar nicht. Die Tage ziehen sich, die Zeit dehnt sich. Intensiver, wertvoller, lebendiger. Wenn ich auf den Kalender schaue, kann ich nicht fassen, dass der Juni gerade erst begonnen hat. Wer braucht eine Zeitmaschine, wenn er mit dem Fahrrad um die Welt fahren kann?

Ich, Getriebene, lerne noch, dieses neue Gefühl zu genießen. Gerade am Anfang war das gar nicht möglich. Während der ersten Tage war viel los: nach stundenlangem Radfahren oft stundenlanges Schreiben. Es drehte sich alles um den Anfang einer abenteuerlichen Idee. Anfragen, Nachrichten, Plattfuß- und Rahmenbruchwünsche. In meinem Kopf dagegen drehte sich alles um das Ende, Ankommen, Zurückkehren, nach Hause kommen. Heute ist der Anfang weit genug weg, der Hype des Starts vorbei. Auch das Ende verliert von Tag zu Tag an Bedeutung. Stattdessen lerne ich, das Reisen zu genießen.

Das Café verlasse ich wieder, das nächste allerdings ist nicht weit. Zwischendurch kaufe ich noch Spiritus für meinen Kocher, neue Fahrradhandschuhe – die alten hatten nun doch mehr Löcher als Nähte – und Bepanthen für den Sattelpo. Auf die Rückreise schicke ich Klamotten, ein Ladegerät, eine Bürste – ich dachte, falls die Haare irgendwann wieder lang genug sind, aber das dauert mir dann doch zu lange – und dänische Kronen. 

Am letzten Abend in Oslo gibt es Mexikanisch, am Morgen eine unerwartete Begegnung. Bei Joe & the Juice – einen letzten Iron Man vor dem Abflug trinken – lerne ich Lohras kennen. Er hat die vergangenen zwei Monate in Bergen gearbeitet, seit heute in Oslo. Er lädt mich ein, wenn ich wieder zurück bin, mit ihm Bergen zu besuchen, das sei viel schöner als Oslo. Wir tauschen Facebook-Accounts aus, zum Abschied gibt es noch einen Café Mocca, dann breche ich wieder auf.

Tag 15 | Oslo

Tag 16 | Oslo

Bilder aus Norwegen: Svinesund – Trondheim


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