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Gegenwind I: Seit einem Monat Weltreisende

Lurchi: Mir ist eingefallen, dass ich am 17. Juni schon einen Monat unterwegs bin.

Dana: Wie die Zeit vergeht.

Lurchi: Ja, schon krass… nur noch 23 Monate von Zuhause weg 😂

Kein Witz! Ich radle seit einem Monat um die Welt – und es ist überwältigend. Vor allem Norwegen lässt mich Tag für Tag von Neuem staunen. Ich bin mir gar nicht sicher, ob ich tatsächlich besseres Wetter haben möchte. Denn diese urgewaltige Natur entfaltet ihre Atmosphäre und Anziehungskraft erst, wenn die Wolken über die Berghänge ziehen, der Nebel durch die Wälder schleicht, der Regen alle Menschen verjagt…. na gut, ein bisschen weniger Regen, um zwischendurch mal wieder trocken zu sein, wäre nicht schlecht. (Das schreibe ich, während der Regen mal wieder Purzelbäume auf meinem Zelt schlägt.)

Es ist faszinierend, wie sich die Natur im Laufe der Reise verändert – ein Ritt durch die Jahreszeiten in vier Wochen. In Dänemark und Schweden bin ich täglich durch blühende Rapsfelder geradelt, an englischen Gärten und Sandstränden vorbei. Der Frühling hatte dort längst begonnen, 28 Grad und Sonne. In Norwegen ist der Frühling nur zu erahnen. Von den Bergen kommt der Schnee in Wasserfällen heruntergeschossen. Zwischen 700 und 1000 Metern ist die Landschaft karg und weitläufig, die Temperaturen gelangen selten in den zweistelligen Bereich. An der Küste ragen Kolosse von Bergen aus dem Wasser heraus, drumherum dichter Wald. Landwirtschaft ist in diesem Land nur zwischen kahlen Bergen, wilden Wäldern und ewig langen Fjorden möglich. Sobald die Sonne scheint und der Wind schweigt, ist auch in Norwegen die Hitze fast unerträglich. Doch meist versteckt sich der gelbe Heizlüfter  hinter einer tiefgrauen Decke und dann hinterlässt der Wind nur Gänsehaut.

Da ich mit der Sonne immer weiter nach Norden reise, ist jeder Tag länger als der vorherige. Die Sonne geht nur noch für eine Stunde unter. Da sowieso immer Wolken über den Himmel ziehen, ist es unmöglich zu sagen, wann Tag, wann Nacht ist. Dementsprechend verschiebt sich der eigene Rhythmus immer weiter in die Nacht hinein. Abendbrot gibt es mittlerweile um 23 Uhr. Aufstehen um 9. Losradeln um 12. Mittagspause um 17. Das hilft nicht unbedingt dabei, länger zu schlafen.

Ich bin nicht annähernd so weit gekommen, wie ich wollte, und bin dennoch viel weiter geradelt, als ich sollte. Ich dachte, 100 Kilometer am Tag seien gut zu schaffen. Was in Dänemark und in Schweden kein Problem war, ist in Norwegen – zumindest für mich – nicht umzusetzen. Das liegt zum einen daran, dass ich ständig mein Fahrrad verlasse, um zu fotografieren und zu filmen. Das liegt aber auch daran, dass die vielen Höhenmeter mir ziemlich zusetzen. Der Körper braucht seine Ruhepausen – und die soll er zukünftig öfter bekommen. Das ist mein Vorsatz für die nächsten Wochen.

Während ich in den ersten Wochen noch viel Zeit auf Campingplätzen verbracht habe, zelte ich heute immer häufiger wild. Obwohl das Zelt mittlerweile ein Zuhause geworden ist, fällt mir das Schlafen allein in der Natur immer noch nicht ganz leicht. Deshalb ist es umso schöner, zeitweilig mit Ruth zu reisen. Zu zweit macht das Wildzelten schon fast Spaß – und ich wache nicht mehr mit den Gedanken auf, schon wieder allein aufstehen, allein frühstücken, allein packen, allein losradeln. Wir sind allerdings nur ein Duo auf Zeit – und das Alleinsein bald wieder Alltag.

Bin ich angekommen auf meiner Reise? Noch nicht ganz. Aber ich bin auf einem guten Weg. Es ist immer noch ein komisches Gefühl, täglich unterwegs zu sein, täglich kein Ende zu sehen. Es ist so viel Input, so viel Output, so wenig Stetiges. Erst schwebe ich, dann sinke ich. Deshalb versuche ich noch, um die Welt zu sprinten, angetrieben von einem imaginären Zeitdruck. Aber es wird besser. Gerade das Zusammensein mit Ruth hilft unheimlich. Sie bewegt sich so sicher allein mit dem Fahrrad durch Norwegen und wilde Nächte, dass ich nur Staunen kann. Sie hilft mir, mich von der Frage „Was wäre wenn?“ zu lösen und täglich ein Stück mehr auf meiner Reise um die Welt anzukommen. 

Wir entdecken aber auch immer wieder, dass wir ganz ähnliche Sehnsüchte haben. Wir stellen uns zu gern vor, einfach nur im Trockenen zu sitzen, Cappuccino und Tee zu trinken, in einem Hotel mit Dusche und Frühstücksbüffet zu übernachten, in einem VW-Bus mit Sitzheizung auf die nächste Fähre zu warten. Gleichzeitig wissen wir, was wir allen anderen Reisenden voraushaben. Mit dem Fahrrad zu reisen, bedeutet, ein Land wirklich kennenzulernen, es zu erfahren, es lieben und hassen zu lernen und die Menschen in all ihrer Güte zu erleben. 

Je länger ich unterwegs bin, desto leichter fällt mir das Weiterreisen. Das Alleinsein ist schon fast Normalität. Ich vermisse euch trotzdem alle und ich bin froh, dass ihr mich alle auf meiner Reise begleitet. Ohne euch könnte ich das niemals schaffen ❤️.

32 Tage| Lübeck – Tjotta | 2021 Kilometer 

 

 

 

 

 

 


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