search instagram arrow-down

Palim Palim

Instagram

Facebook

Fast vergessen

Follow Mein Fahrrad, die Welt und ich on WordPress.com

Kapitel XIV: Von Skaugvoll nach Moskenes 

Lesen, schlafen, netflixen, essen, Hörbuch hören, gammeln, schlafen, essen: So sieht meine viertägige Ruhepause in Bodø aus. Danach geht es endlich auf die Lofoten.

Bilder aus Norwegen: Trondheim – Bodø

Pudelwohl. So fühle ich mich. Laut lachend laufe ich durch die in Reih und Glied stehenden Autos und Wohnmobile auf dem Parkdeck der Langenode. Der Lärm der hereinfahrenden Fahrzeuge und der surrenden Motoren der Fähre sind zu laut, als das mich jemand hören könnte. Sehen können sie mich alle. Ich klatsche die Hände zusammen, hüpfe leichtfüßig zurück zu meinem Fahrrad, mache noch ein letztes Foto in Bodø. Es geht los, es geht los, es geht los. Das ist alles, woran ich denken kann. Ich bin so aufgeregt.

Jetzt beginnt die Reise. Ich bin so weit. Irgendetwas ist passiert. Es fühlt sich an, als ob ich die vergangenen sechs Wochen dafür gebraucht habe, anzukommen, mit der Distanz zu Allem und zu Allen leben, das Alleinsein und die Flüchtigkeit von Begegnungen schätzen zu lernen. Ich glaube, die Zeit mit Ruth hat mir den letzten notwendigen Stoß in die richtige Richtung gegeben. Jetzt bin ich mit ganzem Herzen und Kopf dabei. Die Ewigkeit von 2 Jahren fühlt sich nicht mehr unendlich an. Ich fühle mich nicht mehr fremd auf meinem Fahrrad im Nirgendwo. 

Die vergangenen Tage habe ich in Bodø verbracht. Ankunftsort. Abfahrtsort. Durchgangsstation. Nachdem Ruth und ich unsere Nummern ausgetauscht haben, um noch einmal zusammenzuradeln, bevor wir uns wohl endgültig trennen, ist sie zu den Lofoten aufgebrochen. Ich bin über Skaugvoll nach Saltstraumen geradelt. Am 21. Juni habe ich mich allein an die felsige Küste gesetzt, Gin und Tonic geöffnet – ein Abschiedsgeschenk von Sandra und Anna – und mit der Sonne, die auf der anderen Seite über Bodø durch ein Loch in den Wolken lugte, angestoßen. Mitternacht. Mittertag.

Tags darauf bin ich nach Bodø geradelt. Sonne, blauer Himmel, Sprung ins eiskalte Meer. Die erste Nacht in der Hafenstadt habe ich bei Hans Petter geschlafen, den ich über Couchsurfing kontaktiert hatte. Den Abend des 23. Juni, Mittsommer, verbrachte ich mit ihm und seiner Familie an eben jenem Küstenabschnitt, den ich zwei Nächte zuvor noch von der anderen Uferseite aus betrachtet hatte. Wir grillten – Burger und Hot Dogs, Melone zum Nachtisch – und setzten uns danach ans Wasser.

Hans Petter ist reisesüchtig aus Überzeugung. Er ist aus Bodø, hat in Trondheim studiert und arbeitet seit 7 Jahren auf dem Flughafen von Bodø. So kommt er billig an Tickets, reist immer wieder nach Asien, Japan, China, Myanmar, auf die Philippinen. Seine Reisen dokumentiert er mit der Kamera, die wunderschönen Bilder von Landschaften und Menschen hängen überall in seinem Haus.

Am nächsten Morgen gab es das übliche norwegische Riesenfrühstück für Reisende, außerdem drückte Hans Petter mir noch gekochte Eier und Militäressen in die Hand. Er selbst war früher bei der Air Force. Wir tauschten Nummern aus, eine Umarmung, dann fuhr ich weiter zum Hafen, wo mir die Chefin meiner Mama, die selbst gerade in Norwegen unterwegs ist, noch ein Survival-Package von Mama in die Hand drückte – mit Müsliriegeln, Magnesium, Schläuchen, Powerbank, Mini-Stativ.

Die nächsten Tage habe ich mich dann im Hostel vergraben. Weil Bodø nur eine Durchgangsstation ist und selbst Hans Petter erklärte, es gebe nichts zu entdecken, hatte ich kein schlechtes Gewissen, während ich im Bett lag, las, Serien und Filme schaute, aß, schlief und jede Art der Kommunikation – außer der Digitalen – mied.

Im Gegensatz zu Oslo hatte ich diesmal nicht das Gefühl, mich zu sehr in das Ankommen hineinzusteigern. In Oslo bereitete mir der Aufbruch vor vier Wochen Unbehagen. Heute will ich weiter, immer weiter. Ich kann es kaum erwarten, wieder loszulegen und deshalb bin ich auch so aufgeregt, als mir der Wind wieder um die Ohren weht, der Nieselregen mich wieder nass macht. 

Es kann weitergehen, es kann losgehen. Jetzt bin ich hier. Genau dort, wo ich sein sollte. Jetzt bin ich mir sicher, dass ich die richtige Entscheidung getroffen habe, den richtigen Schritt in die richtige Richtung gegangen bin. Und ich weiß jetzt, dass ich das schaffen kann und dass 2 Jahre viel schneller um sein werden, als mir lieb ist.

Tag 36 | Skaugvoll – Saltstraumen | 57,7 Kilometer | 4 Stunden 7 Minuten | 14 Kilometer im Schnitt | 935 Höhenmeter 

Tag 37 | Saltstraumen – Bodø | 31,7 Kilometer | 2 Stunden 19 Minuten | 13,7 Kilometer im Schnitt | 310 Höhenmeter 

Tag 38 bis 41 | Bodø | Ruhepause 

Bilder aus Norwegen: Trondheim – Bodø 

 

 

 

 

 

 

 

One comment on “Mit der Fähre zum schönsten Ort der Welt

  1. Claudi sagt:

    …..traum,hafte Bilder. Eben ein Land zum Verlieben……

    Gefällt mir

Kommentar verfassen
Your email address will not be published. Required fields are marked *

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

w

Verbinde mit %s

%d Bloggern gefällt das: