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Kapitel XV: Von Moskenes nach Stokmarknes

Wieder vereint. Auf den Lofoten treffe ich Ruth wieder. Gemeinsam angeln wir uns einen Fisch, radeln weiter Richtung Norden, entdecken die Sonne und das Glück im Container wieder.

Bilder aus Norwegen: Bodø – Nordkapp

Erst einmal Pause. Nach 3 Stunden Fährfahrt sei einem das gegönnt. Ich fahre in die entgegengesetzte Richtung nach Å zum Anfang oder zum Ende der Straße der Lofoten und finde den Anfang oder das Ende eines Regenbogens. Er liegt geradewegs unter meinem Füßen, nur einen Schritt, nur einen Fall – und der Goldtopf gehört mir. Ich verzichte auf das Gold und entscheide mich, weiter um die Welt zu fahren.

Å, Moskenes, Sørvagen, Reine, Hamnøya. Ein Fischerdorf nach dem anderen stellt sich mir in den Weg. Ich kapituliere, steige ab, fotografiere. Immer wieder. Immer zu. Als ich die südlichen Fischerdörfer hinter mir lasse, ist es spät und meine Lust, noch viel weiter zu fahren, hält sich in Grenzen. Vor Ramberg finde ich meinen kleinen perfekten Platz zum Wildzelten. Ein Trampelpfad, der von der Straße abgeht, führt Anton und mich auf ein Plateau nicht größer als zwei Parkplätze, mit Sicht auf Meer und Berge, Fischerboote und Lachszuchtanlagen. Hier schlage ich mein Wohnzimmer, mein Schlafzimmer, meine Küche, mein Zuhause auf. Es ist soweit, dass ich mich Tag für Tag auf das wilde Zelten freue.

Weiter geht es nach Flakstad, Vareid, Leknes, Valberg. Die Lofoten präsentieren stolz ihre steilen Küsten und einzigartigen Fjorde – und überraschen mich mit weißen Sandstränden. Dass ich das noch erleben darf, hoch oben hinter dem Polarkreis! Die Sonne scheint, der Wind weht, es bleibt den ganzen Tag trocken – und die Straße überwiegend flach. Neben mir liegen immer noch schneebedeckte Berge, der Schnee mittlerweile auf Meereshöhe. Es ist deutlich kühler geworden, Pullover und lange Hose notwendig, um keine Gänsehaut zu bekommen.

Über Brücken, durch verlassene Dörfer, weite Täler und viele Windungen: Der Weg ist ein Eiertanz um die Fjorder herum. Das sind die Lofoten. Und die Lofoten sind auch Touristen. Deutsche, Holländer, Franzosen, Polen, Italiener. Haben die Sommerferien begonnen? Sie alle brettern mit Caravan, Bulli, Jeep und Motorrad an einem vorbei. Nach 115 Kilometern und zurück unter dunklen Wolken komme ich erschöpft in Svolvær an und finde Ruth in der Touristinformation auf mich wartend.

Endlich wieder vereint. Zu zweit fahren wir zwei, drei Kilometer aus dem Dorf heraus, um an der Längsseite einer Klippe unsere Zelte aufzuschlagen. Wir können über die Bucht auf Svolvær gucken. Es gibt Ratatouille zum Abendbrot, dann in den Schlafsack gekuschelt. Morgen reißt sicher der Himmel auf.

Der Himmel reißt nicht auf. Wir entscheiden, noch einen Tag auf den Klippen zu harren. Keine Eile. Stretching, Yoga, Lesen, Frühstücken, Schlafen. Später fahren wir nach Svolvær, laden in der Touristinformation unsere Handys auf, ich gönne mir eine heiße Schokolade. Die Container sind alle abgeschlossen. Seit wir uns getrennt haben, hatte keiner von uns beiden Glück im Mülleimer. Das soll sich aber bald ändern…

Auf der Rückfahrt reißt der Himmel auf. Endlich. Wir schnappen uns Essen und Angel und ziehen hinunter an die felsige Küste. Während ich mein letztes Ei esse, das ich beim letzten Frühstück im Hostel habe mitgehen lassen, wirft Ruth die Angel aus. Fisch zum Abendbrot? Das wäre nicht schlecht.

Der Köder bleibt in den Algen hängen. Und jetzt? 7 Euro habe der gekostet, erklärt Ruth. Na dann, rein da, erkläre ich. Ja, aber ich sehe ja gar nichts unter Wasser, wendet Ruth ein. Ich glaube, da könnte ich aushelfen. Dramatische Pause. Ich habe eine Taucherbrille dabei. Was man eben auf so eine Weltreise mitnimmt… Ich hole sie aus dem Zelt und Ruth den Köder aus dem eisigen Wasser. Ich bin beeindruckt. Das Wasser ist tatsächlich eisig! Danach angeln wir uns einen Fisch…

Die Sonne weckt uns. Die Sonne. Ehrlich! Ihr glaubt es nicht, aber der Himmel ist blau, azurblau. Keine Wolke drängt sich zwischen uns und das wärmende Licht der Sonne. Wir frühstücken, packen, kehren in unsere Sättel zurück, fahren weiter die wunderschönen Lofoten entlang zur nächsten Fähre. Der Radweg will uns über einen riesigen Umweg lotsen, doch wir fallen nicht darauf rein. Endlich wieder Fähre fahren. Danach Pause. An einem weißen Sandstrand, in einer windgeschützten Bucht. Das Wasser ist unfassbar warm. 

Auf dem Weg um die Insel herum lockt uns ein Wildzelten-Schild. Wir folgen ihm an einen See eingeschlossen von Bergen. Es ist ein schöner Ort zum Verweilen, doch wir wollen hier nicht bleiben, lieber zurück ans Meer, die Berge wirken beengend. Nachdem wir uns erfolgreich mit der Toilette am See geschlagen haben – Abzugsrohr, verschlossener Riechschutz im Klo: wie soll denn das funktionieren? – fahren wir zurück ans Meer und schlagen unsere Zelte an der Küste auf.

Zum Abendbrot gibt es vegetarische Bratlinge mit Reis und Gemüse. Kaum dass wir wieder zusammen sind, ist uns das Container-Glück wieder hold. In Melbu haben wir die ganze Vielfalt des Supermarkts aus dem Müll gezogen und freuen uns auf kommende Mahlzeiten. Das hört sich dann meistens so an: Das abendliche Schmatzen ist noch nicht beendet, da sagt einer von uns: Ich freue mich schon so auf das Frühstück morgen früh in der Sonne. Das Mittag ist noch nicht wieder eingepackt, da sagt einer von uns: Ich freue mich schon so auf das Abendessen, auf die Mittagspause, auf das Frühstück…

Tag 42 | Bodø – Ramberg (Lofoten) | 34,9 Kilometer | 2 Stunden 17 Minuten | 15,3 Kilometer im Schnitt | 433 Höhenmeter 

Tag 43 | Ramberg – Svolvær | 116,3 Kilometer | 7 Stunden 10 Minuten | 16,2 Kilometer im Schnitt | 1122 Höhenmeter 

Tag 44 | Svolvær | Ruhetag

Tag 45 | Svolvær – Stokmarknes | 61,2 Kilometer | 3 Stunden 44 Minuten | 16,4 Kilometer im Schnitt | 541 Höhenmeter 

Bilder aus Norwegen: Bodø – Nordkapp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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