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Kapitel XVI: Von Stokmarknes nach Tromsø 

Zum zweiten Mal nehmen Ruth und ich auf dieser Reise Abschied. Am Ende wird sie wohl eine von vielen Reisegefährten sein. Doch sie bleibt immer die erste und die wichtigste. Allein fahre ich weiter, immer weiter bis zum Nordkapp.

Bilder aus Norwegen: Bodø – Nordkapp

Wildzelten. Containern. Radeln. Baden im Meer. Meine täglichen Ausgaben sind auf Null Euro geschrumpft – und das in Norwegen! Ich bin begeistert. So könnte ich tatsächlich noch um die Welt herum kommen. Nach den ersten Wochen in Dänemark, Schweden und Norwegen mit horrenden Ausgaben für eine Monotonie an Lebensmitteln und Campingplätze hatte ich mir doch einige Gedanken gemacht, was das Geld betrifft – und jetzt habe ich mehr Essen in meinen Radtaschen als ich je in meinem Kühlschrank hatte.

Zum Frühstück gibt es Joghurt und Müsli mit Physalis, Blaubeeren, Kiwi, Banane und Pfirsich. Dazu ein Brot mit Butter und Honig. Ruth und ich haben beide kaum geschlafen, sehen nicht nur gerädert aus, sondern sind es auch – und an diesem Morgen ziemlich schweigsam. Immer wieder sind wir aufgewacht, haben aus unseren Zelten geblinzelt und die Sonne beobachtet, wie sie hoch oben, über den Bergen auf uns herunterblickte. Nachts um 2 Uhr. Ich stellte mein Solarladegerät vors Zelt, mein Handy am nächsten Morgen, im Gegensatz zu mir, voll aufgeladen – wie paradox!

Während uns die Fliegen zu Tausenden umschwirren – eine schwarze Wolke umhüllt unsere Köpfe, was geht denn mit denen ab? – packen wir zusammen. Wir fahren von Stokmarknes nach Sortland. Dort trennen sich die Wege wieder. Wohl nicht für immer. Kommende gemeinsame Radreisen nicht ausgeschlossen. Zuvor basteln wir uns noch Schilder: Globetrotter/7000 Kilometer Bike Tour happy about food, bed or shower. Wie wir auf diese Idee gekommen sind? Ruth häkelt seit einer Weile Jonglierbälle. Mit den Bällen und ihren Hula-Hoop-Reifen will Ruth Straßenkunst aufführen, Geld verdienen. In Svolvær meinte ich dazu, wahrscheinlich müsse man es gar nicht so kompliziert machen. Bei so vielen Menschen, die uns Tag für Tag bewundernd ansprechen, reicht es wahrscheinlich, ein Schild ans Fahrrad zu hängen. Gesagt, getan. Mit diesem Schild und wieder allein geht es weiter.

15 Kilometer vor Risøyhamn finde ich einen Lagerplatz. Am Strand in einer von Steinen begrenzten Bucht. Ich nehme ein Bad im Meer. Kochen und ab in den Schlafsack. 80 Kilometer bis zur nächsten Fähre liegen am nächsten Tag vor mir. Wolken und Regen sind zurück. Doch es bleibt flach. Während ich über die Brücke nach Risøyhamn fahre, kreuzt unter mir ein Schiff der Hurtigruten meinen Weg. Auf so eines möchte ich in Tromsø steigen, falls es Platz für mich und mein Fahrrad gibt. 

Weiter geht es an der Küste entlang, an Aussichtspunkten und einem Space-Center vorbei nach Andenes. In der Hafenstadt halte ich an zwei Supermärkten an und plündere die Container. Käse, Tomaten, Muffins, Borwnies, Nudeln, Joghurt, Schokomilch, Bratlinge.  Alles verpackt, alles gute Lebensmittel, deren Mindesthaltbarkeit nur einen Tag zuvor abgelaufen ist. Es fällt mir schwer, so viele Köstlichkeiten wieder zurück in den Müll zu werfen, aber meine Taschen sind bereits voll. Ich verstaue, was ich noch unterkriege. Alles, was das Herz begehrt, und Vieles, wofür ich nie Geld ausgegeben hätte.

Die Fähre bringt mich nach Gryllefjord. Eigentlich will ich noch eine Stunde fahren, doch am Ausgang von Gryllefjord liegt ein See, an dem zwei Pavillons aus Holz stehen, Toiletten und Plätze für Zelte ausgewiesen sind. Ich bleibe – und treffe auf Christian, der mit seinem Bulli seit zehn Monaten unterwegs ist. Erst durch Asien, jetzt durch Skandinavien. Ab September muss er wieder arbeiten. Er fährt am nächsten Morgen in die entgegengesetzte Richtung weiter.

Auf mich wartet stattdessen Senja. Die Abenteuerinsel. Es geht durch Tunnel, über Brücken und Berge. Die Aussicht mal wieder überwältigend, das Wetter mal wieder zermürbend. Ich posiere Kopf an Kopf mit dem größten Troll Norwegens, Blicke auf Bergsbotn und erleichtere mich auf dem goldenen Klo in Ersfjord. Durch den nächsten Tunnel zur nächsten Brotzeit. Während ich Pause mache, fährt Michael an mir vorbei, hält an. Wir unterhalten uns, während ich Brote stopfe. Er will zur Fähre nach Botnhamn, morgen nach Tromsø. Ich versuche immer wieder, ihm Brownies und Muffins anzubieten. Doch Michael erzählt, er nutze die Reise auch, um abzunehmen. Ich gestehe ihm, dass ich die Reise dazu nutze, endlich einmal alles zu stopfen, was mir in die Finger gerät, ohne Grenzen zu essen. Es ist ein gutes Gefühl…

Wir fahren gemeinsam weiter. Michael ist vor sechs Wochen in der Schweiz gestartet, über Deutschland, Frankreich, Belgien, Dänemark und Schweden nach Norwegen gereist, zwischendurch mit dem Zug gefahren. Er fährt noch bis zum Nordkapp, dann geht es mit dem Flugzeug zurück in die Schweiz. Wir schlagen unsere Zelte in einer Bucht kurz hinter Brensholmen auf, an einem weißen Sandstrand. Wenn es nicht in Strömen regne würde, würden wir gemeinsam kochen. Kartoffeln und Bohnen mit saurer Sahne oder so etwas ähnliches, zum Nachtisch Schokomuffins. So aber verkriechen wir uns in unsere Zelte, während der Regen auf die Dächer prasselt. Das geht die ganze Nacht so. Erst am nächsten Morgen hört es auf. Ich stelle mir vor, wie die Sonne auf die Bucht scheinen könnte, Karibikflair, ich wäre wahrscheinlich einfach hier geblieben…

Während ich noch aufwache, meine Zutaten für das Frühstück zusammensuche, hat Michael schon wieder gepackt. Wir frühstücken zusammen. Dann schlage ich ihm vor, vielleicht einfach schon loszufahren, ich bräuchte noch eine Weile, bis ich soweit bin. So trennen sich auch unsere Wege wieder und ich radle anderthalb Stunden später – nachdem ich den Frust über das Sauwetter einmal laut herausgelassen habe, es reicht jetzt wirklich mit dem Regen! – nach Tromsø, wo ich, wie es der Zufall will, bei Gök unterkomme, der – so erzählt er zumindest – eine Cousin von Cem Özdemir ist.

Tag 46 | Stokmarknes – Andøy | 69 Kilometer | 4 Stunden 10 Minuten | 16,6 Kilometer im Schnitt | 454 Höhenmeter

Tag 47 | Andøy – Gryllefjord | 81 Kilometer | 4 Stunden 48 Minuten | 16,8 Kilometer im Schnitt | 428 Höhenmeter 

Tag 48 | Gryllefjord – Brensholmen | 83,3 Kilometer | 5 Stunden 32 Minuten | 15,1 Kilometer im Schnitt | 1051 Höhenmeter 

Tag 49 | Brensholmen – Tromsø | 54,6 Kilometer | 3 Stunden 58 Minuten | 13,8 Kilometer im Schnitt | 622 Höhenmeter 

Bilder aus Norwegen: Bodø – Nordkapp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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