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Kapitel XVII: Von Tromsø zum Nordkapp

3000 Kilometer mit dem Fahrrad. 7 Wochen. Und ein Bad im Whirlpool kurz vor dem Ziel. Das erste große Ziel ist erreicht.

Bilder aus Norwegen: Bodø – Nordkapp

Midnatsol. Mitternachtssonne. Alles Licht erhellt die Nacht. Wo sonst die Sterne leuchten, gibt es nur Tag. Die ganze Nacht. Die Mitternachtssonne begleitet mich; die Midnatsol trägt mich über die Wellen, durch die Fjorde hindurch, an Orcas vorbei zum Nordkapp. 71 10 21. Die Koordinaten. 07 07 17. Das Datum. Anton und Lulu waren hier. Und wir kehren zurück. Irgendwann. Ganz sicher.

Wo ich denn hin möchte? Honningsvåg. Wann? Sobald wie möglich. Also heute? Das wäre großartig. Das wäre dann um 18.30 Uhr? Top. Mit Kabine. Nein. Das sind dann 95 Euro. Mit Karte, bitte.

Das war viel leichter, als ich dachte. Ich rechnete eigentlich damit, dass die Hurtigruten ausgebucht sind, als mich mein erster Weg am Morgen nach meiner Ankunft in Tromsø zur Geschäftsstelle der Hurtigruten führt. Stattdessen ist es kein Problem, an ein Ticket heranzukommen. Und ich muss nicht einmal eine Kabine buchen. So spare ich viel Geld.

Im Saal der Horizonte verstaue ich meinen Rucksack, meine zwei Tüten. Dann erkunde ich das Schiff – und entdecke den Whirlpool. Mist, verdammter! Und ich habe meinen Bikini in den Fahrradtaschen gelassen. Hoffentlich haben die mein Fahrrad noch nicht so verpackt, dass ich nicht mehr herankomme. Ich laufe nach unten. Deck 9. Deck 8. Deck 7. Deck 6. Deck 5. Deck 4. An der Rezeption vorbei. Wo ging es noch einmal lang? Verdammt, ich habe nicht aufgepasst. Autodeck. Autodeck. Irgendwo muss es doch sein. Weit und breit nur Kabinen. So weit bin ich vorhin gar nicht gelaufen, denke ich, und probiere einfach mal eine Tür aus. Es ist die falsche. Wieder zurück. Und dann springt es mir in die Augen. Autodeck. Das Fahrrad in greifbarer Nähe. Die Nacht im Whirlpool gesichert.

Bevor ich hineinspringe, gibt es erst einmal Abendbrot. Lesen, schreiben, den Ausblick genießen. Deutsche über Deutsche tummeln sich auf den Decks. Grauhaarig, faltig, alt. So lässt es sich aushalten, was?, meint ein Mann zu seiner im Rollstuhl sitzenden Frau, legt seine Hand auf ihren Arm, schaut sie an. Ja, ist alles, was sie sagt. Leise, flüsternd. Sie erwidert seinen Blick nicht, sondern schaut durch das Panoramafenster der Midnatsol auf das Meer hinaus. Es liegt alles Glück der Welt in ihrem gehauchten Ja. Ihr Mann lächelt. In 40 Jahren werde ich es wohl sein, die auf diesem Schiff sitzt. Grauhaarig, faltig, alt,  unterwegs mit einem Reiseunternehmen. Ob dann jemand an meiner Seite sitzt?

Das nächste Abenteuer erlebe ich erst einmal wieder allein. Nach 8 Tagen auf dem Rad, im Zelt, im Meer, ohne Dusche, ohne Waschbecken, ohne Heizung, bei 8 Grad, Regen und Wind ist so ein Whirlpool die Entdeckung des puren Luxus. Eine Gänsehaut läuft über meinen Körper, während ich in das warme, blubbernde Wasser hineinsinke. Um mich herum die gewaltigen Fjorde, um mich herum der eisige Wind. Ich lebe. Verweile. Die Haut ist schrumpelig und sehr viel heller, der Kreislauf so weit heruntergefahren, dass sich alles dreht, als ich den Pool wieder verlasse. Anschließend gucke ich Filme auf dem Sofa im Saal der Horizonte, eingekuschelt in eine Decke. Wer braucht schon eine Kabine.

​Honningsvåg. Ein kleines Fischerdorf. Es fällt mir schwer, die Midnatsol zu verlassen. In Honningsvåg erwarten mich 5 Grad, Nebel, Wind und eisiger Regen. Ich halte beim Rema. Die Container sind leer, Müsli brauche ich trotzdem. Ich treffe auf zwei Radler aus Dresden, die vom Nordkapp kommen und mit dem Schiff, das ich gerade verlassen habe, weiterfahren. Ich kann meinen Neid nicht verstecken. Whirlpool. Heizung. Sofa. Ich schüttle mich, schaue nach vorn, fahre hinauf zum Nordkapp. Zumindest ist das der Plan. Doch als ich den ersten Berg erklommen habe und der eisige Wind durch meine nassen Ärmel, über meine nasse Haut bläst, ich auf die Winterjacke umsteige und diese kaum anbekomme, weil in meinen Fingern kein Gefühl mehr ist, entscheide ich mich, erst einmal am Fuße des Kaps das Zelt aufzuschlagen. Auf einem Campingplatz. Morgen soll das Wetter besser werden, morgen fahre ich hoch zum Nordkapp.

Und so ist es. Der Regen lässt nach, die Sonne kommt heraus. Mit einem Halstuch um die Augen habe ich die Mitternachtssonne in der Nacht so weit wie möglich fern gehalten. Nachdem ich in den vergangenen Wochen so viel gespart habe, gönne ich mir das Frühstücksbuffet. Brötchen. Süß und deftig. Rührei, Speck und Bohnen. Cornflakes mit Milch. Obst und Kuchen. Tee und Saft. Am frühen Nachmittag, sobald die Busse der Hurtigruten das Kap verlassen haben, starte ich. 300 Meter berghoch. Ohne Gepäck. Was für ein komisches Gefühl. Mein Lenker eiert hin und her, reagiert auf jede Bewegung. Das Hinterrad zieht mich nicht mit aller Gewalt den Berg wieder hinunter.

Und dann ist es so weit. Das erste große Ziel. Der erste Meilenstein. Erreicht. Geschafft. Angekommen. Was für ein Gefühl. Ich kann die ganze Weite des Meeres erblicken, die Küste, die Fjorde, Schiffe. Es ist so atemberaubend schön. 3000 Kilometer. 7 Wochen. Viele Zweifel am Anfang, viel Selbstbewusstsein am Kap. Nach vielen Fotos, nach vielen Videos und nachdem ich diese wahnsinnige Aussicht bei bestem Wetter voll ausgekostet habe, gehe ich in das große Gebäude, das Museum, Kino, Café und Shop beherbergt. Ein Geruch von frischen Waffeln zieht mir in die Nase, führt mich am Café und Shop vorbei, um zwei Ecken herum. Dort sind sie. Ich kann sie sehen. Eine Waffel, bitte. Angekommen.

Tag 50 | Tromsø – Honningsvåg | Hurtigruten 

Tag 51 | Honningsvåg – Skarsvåg | 24 Kilometer 

Tag 52 | Skarsvåg – Nordkapp – Skarsvåg | 30 Kilometern 

Bilder aus Norwegen: Bodø – Nordkapp

 

 

 

 

 

 

 

 

 

One comment on “Bis zum Nordkapp: Wo die Sonne im Sommer niemals untergeht

  1. Rudi Stierle sagt:

    Hallo Luisa,
    deine Koordinaten vom Nordkap sind unvollständig. Koordinaten sind i.d.R. zweidimensional, es fehlt also die östl. Länge. Das brauchst du aber jetzt nicht wegen mir nachholen, ich hab den Globus neben mir.
    Bist du jetzt auf’s Schiff umgestiegen, weil sich die Szenerie dauernd wiederholt oder wegen dem vielen Regen? Ob ich dir da nochmal verzeihen kann?
    Gruss aus KN
    Rudi

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