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Zwischenspiel V: Auf einen Quickie mit Ulan Bator

Asien ist nicht Europa! Mein Magen stellt tagelang die Arbeit ein, die chinesische Botschaft schickt mich wieder weg und dann klaut ein dreister Dieb mein Leben, mein Handy. Wie ein geprügelter Hund liege ich am Boden und wünsche mir mehr denn je einen Freund an der Seite, der mich mal in die Arme mit.

Bilder aus der Mongolei

Es könnte gar nicht besser laufen. Anton ist wieder ganz. Ich habe mein Fahrrad einmal auseinander genommen und wieder zusammengebaut. Dieses Wissen wird mir bei jeder noch kommenden Panne helfen, eine Lösung zu finden. Mit der Unterstützung eines mongolischen Taxifahrers habe ich zudem ein billiges Bett in einem gemütlichen Hostel gefunden, nicht weit von der Stadt entfernt. Die fehlende Schraube, die wahrscheinlich irgendwo im Zug liegt, bekomme ich in einem Fahrradladen ersetzt. Alles ist gut – bis alles ganz und gar nicht mehr gut ist.

Die ersten zwei Tage kundschafte ich die Stadt aus. Ulan Bator, 1,3 Millionen Einwohner, wirkt auf gut situierten Europäer wie ein Trümmerfeld aus grauen Baracken, will es aber Singapur und Abu Dhabi nachmachen und baut mitten ins Zentrum verspiegelte Wolkenkratzer mit so illustren Namen wie The Blue Sky. Nicht weit vom Zentrum entfernt sind die Häuser zusammengewürfelte Betonklötze, deren Putz überall bröckelt und deren Erdgeschosse überfluten, sobald es regnet, kurz vor dem Zusammenbruch. Auf der Straße regiert Dreistigkeit, Hupen die Zweitsprache der Mongolen, die sie weitaus besser beherrschen als Englisch. Wer nicht hört muss fühlen, ohne Ellenbogen überlebt hier keiner. Rot ist für die Farbenblinden.

Am Mittwoch gehe ich zur chinesischen Botschaft. Ich kundschafte zunächst alles aus, und finde heraus, dass es zumindest möglich ist, ein Visum zu bekommen. Hallelujah. Das hörte sich in diversen Foren und Chatgruppen noch ganz anders an – nämlich, dass es seit August 2016 keine Visa mehr für China in Ulan Bator gebe. Ich nehme einen Antrag mit und will bis Freitag alle Unterlagen zusammenhaben, um meinen Antrag einzureichen. Der Plan ist es, anschließend zur Statue des reitenden Dschingis Khan aufzubrechen und dann im Terelj Nationalpark mein Lager aufzuschlagen, bis ich das Visum wieder abholen kann. Danach will ich nach Westen fahren. Es kommt alles anders…

Klischeenäpfchen Nummer 1: Sich den Magen in Asien verderben

Ich weiß nicht, ob es der kranke Brite in meinem Schlafsaal ist, der die Tage mit Magenproblemen im Bett fristet, das Leitungswasser, das ich abgekocht für meinen Tee nutze oder das mongolische Fleisch. Wenn ich ehrlich bin, spüre ich schon am Donnerstagmorgen, dass irgendwas nicht stimmt. Die Verdauung spinnt, jede Treppe lässt mich prusten wie eine 90-Jährige, der Kreislauf lässt mich wanken. Ich ignoriere die Warnzeichen – als 28-Jährige besitze ich noch genug Naivität zu denken, ich sei unverwundbar -, gehe in die Stadt und muss irgendwann Pause in einem Café machen. Da merke ich, dass etwas ganz und gar nich stimmt. Bevor es mich umhaut, schleppe ich mich zurück ins Hostel. Eine neue Mitbewohnerin begrüßt mich überschwänglich, eine junge Chinesin, die gar nicht mehr aufhören will zu reden und mir tausend Fragen stellt. Ungünstiger Zeitpunkt. Ich unterbinde die Unterhaltung, lege mich aufs Sofa.

Der Körper reagiert sofort. Auf meiner Stirn kann ich Spiegeleier braten, gleichzeitig ist mir so kalt, als ob ich im Winter in Sibirien in einem Zelt übernachten würde. Raumtemperatur 31 Grad. Gänsehaut von Kopf bis Fuß. 30 Minuten später hindern mich Gliederschmerzen daran, eine gemütliche Position zum Ruhen zu finden, Magen und Darm leiden, mir ist schlecht. Abends wechsle ich ins Bett. Das Bett hat keine Matratze, hatte es noch nie, doch jetzt spüre ich jeden Knochen, während ich auf der Spanplatte hin- und herrolle. Ich wechsle das Bett, zu einem mit einer Schaumstoffmatte. Schon besser.

Ich mache mir Gedanken um die Zukunft der Reise. Wenn der Körper dermaßen verrückt spielt am anderen Ende der Welt, ist das ziemlich beängstigend und es fühlt sich an, als ob der nächste Morgen nie kommen wird. Um 3 Uhr morgens versuche ich, etwas zu trinken. Eine Minute später hänge ich über der Toilette. Danach geht es mir besser, so gut, dass ich noch ein, zwei Stunden schlafen kann. Die meisten Symptome lassen am Freitag langsam nach. Am dritten Tag gibt es Odenwald-Apfelmus, Hipp-Babybrei und Yogi-Tee, am vierten Tag sogar Leibnitz Butterkekse. Erst am fünften Tag fühle ich mich wieder einigermaßen gesund, am siebten Tag gibt es wieder feste Nahrung.

Zur chinesischen Botschaft gehe ich am Montag. Mit dabei habe ich eine Flugreservierung für die Einreise und eine Hostelbuchung für die ersten zehn Tage, außerdem Adressen für die anderen Hostels, in denen ich niemals übernachten werde. Eigentlich hätte das reichen sollen an Dokumenten, so die einhellige Meinung des Internets und aller Reisenden, die ich in der Botschaft treffe und die teils nur für 3 Nächte eine Reservierung haben. Die Chinesen aber wollen eine Buchung für jede Nacht, die ich in China bin sowie ein Ticket für die Ausreise. Außerdem wollen sie noch meinen alten Pass haben – äh, ja…

Ich gehe noch einmal zum Travel-Market, lasse mir eine Reservierung für die Ausreise drucken und buche über Hostelworld Übernachtungen für 60 Tage – nur um danach alles wieder zu stornieren. Am Mittwoch stehe ich wieder um 7 Uhr vor der Botschaft. Eine riesige Gruppe Mongolen wartet bereits, die Botschaft öffnet um 9.30 Uhr.

Ich weiß nicht einmal, ob ich es heute überhaupt bis in die Botschaft schaffe, als mir ein junger Mongole den Tipp gibt, ich solle nach vorn zum Eingang gehen. Sie ließen die Bewerber auf ein Touristenvisum früher rein. Das mache ich und tatsächlich, zusammen mit einem Schweizer, einer Slowenin, die auch schon am Montag da war, zwei Australiern und einem Amerikaner, komme ich frühzeitig in die Botschaft – und dieses Mal akzeptieren sie meine Unterlagen.

Am Montag könne ich vorbeikommen, mein Visa abholen. Der Schweizer und der Amerikaner übrigens werden auch wieder weggeschickt, weil natürlich niemand eine reservierte Übernachtung für jede Nacht hat. Bei Hostelworld wird die Anzahlung im Fall einer Stornierung übrigens für die nächste Buchung gespeichert und die Airmarkets in Ulan Bator stellen einem nur die Frage, für das chinesische Visum? – und fünf Minuten später drücken sie einem eine kostenlose Reservierung in die Hand.

Klischeenäpfchen Nummer 2: Sich das Handy klauen lassen

Am Nachmittag bringe ich noch die Postkarten zur Post – und dann passiert es. Ich merke, wie mein Handy verschwindet, doch es kommt gleichzeitig einer von vorne und einer von hinten und ich kann nicht auf Anhieb sagen, welcher von beiden das Handy aus der Tasche zieht, ich weiß nicht, wem ich folgen soll – und dann liegt mein Leben, meine Videos und Bilder, meine Musik und Hörbücher, mein GPS, es liegt alles in den Händen eines Fremden.

Ich könnte heulen, reagiere aber sofort. Mit dem iPad melde ich das iPhone als verloren und sende dem Arschloch noch eine Nachricht, gleichzeitig – danke, Mama – ruft meine Mama bei der Telekom an und klärt alles weitere. Der Frust ist trotzdem riesig. Ich bin froh, die Stadt endlich verlassen zu können. Wenn die Chinesen nicht diese übertriebenen Visa-Anforderungen hätten, wäre ich schon längst wieder mit dem Rad unterwegs, hätte ich mein Handy noch. Hätte, wenn und aber… ändert alles nichts. Handy und SIM sind weg. Wer mich also in Zukunft erreichen will, muss sich per E-Mail (luisa.rische@gmail.com) oder per Facebook melden.

Cheers! Auf bessere Zeiten!

Tag 76 bis 85 | Ulan Bator

Bilder aus der Mongolei

 

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