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Kapitel XXII: Vom Terelj Nationalpark zurück nach Ulan Bator

 

Obwohl ich Zweifel habe, finden Bert und ich ein zweites Mal zueinander. Er nimmt mich mit zu seinem Camp – eine Oase der Ruhe und des Friedens mitten im Nationalpark. Zuvor stürzen sich am Turtle Rock noch asiatische Touristen auf Anton und mich. Alle wollen ein Foto mit dem radelnden Rundauge.

Bilder aus der Mongolei

Die Sonne holt mich aus meinen Träumen, ihr Licht, ihre Wärme. Alles ist klamm, als ich in meinem Zelt im Terelj Nationalpark aufwache. Obwohl die Temperaturen am Tag oft über 30 Grad steigen, kühlt sich das Land nachts radikal ab. Ich mache das Zelt auf, schaue hinaus. Tau liegt auf der Wiese, einen Steinwurf entfernt grasen Yaks und Pferde, über die einzigartigen Felsformationen des Chentij-Gebirges klettert die Sonne, Strahl für Strahl.

Während ich frühstücke, Joghurt mit Müsli, schlendern zwei Wanderer über die Wiese, entdecken mich und kommen zu mir. Ich fühle mich leicht unwohl in meiner langen Unterwäsche, völlig verschlafen, das mittlerweile recht lange Haar steht zu allen Seiten ab. Aber ich gebe mich selbstbewusst. Es sind zwei Australier. Ross und Barb. Wir unterhalten uns. Sie laden mich ein, sie in Australien besuchen zu kommen, falls ich nach Australien komme, und drücken mir Adresse und Telefonnummer in die Hand. So ist das mit dem Reisen fern ab der Städte. Dort lerne ich die Menschen, die Abenteurer kennen.

Während ich zum Turtle Rock, zum Schildkrötenfelsen fahre, treffe ich auf die nächsten Reisenden: ein Spanier und ein US-Amerikaner, die mit Mountainbikes unterwegs sind. Eigentlich sind sie Freiwillige. Im Norden des Landes haben die zwei für eine Nomaden-Familie gearbeitet, in der es allerdings Probleme gab, der Mann habe verbal misshandelt, erzählen sie. Deshalb haben sie die Farm verlassen, sind nun gemeinsam unterwegs, arbeiten nicht und schauen sich stattdessen das Land an. Der Spanier fliegt Ende des Monats wieder nach Europa, der US-Amerikaner will weiter nach Nepal, um dort zwei Monate lang zu meditieren.

Ich fahre weiter. Der Turtle Rock ist nicht weit entfernt. Die Sonne knallt auf meinen Helm, bestes Wetter im Terelj Nationalpark, ich lasse es weiterhin langsam angehen, keinen Grund zur Eile. Angekommen am Turtle Rock schaffe ich es gerade noch ein Foto zu machen, als ein Koreaner zu mir kommt. Er sagt keinen Ton, stellt sich einfach zu mir, seine Frau macht ein Bild. Der nächste kommt zu mir. Ein Chinese. Auch er will ein Bild mit dem radelnden Rundauge. Weitere Touristen verlieren das Interesse am Turtle Rock und wollen stattdessen ein Bild mit mir. Währenddessen denken sie wohl alle, die Europäer müssen völlig bescheuert sein, mit dem Fahrrad zu reisen, denke ich mir… aber zumindest in China soll diese Art des Reisens wohl immer beliebter werden.

Ich fahre über den Pass und nach Terelj. Mittagspause. Warten. Kein Bert. Weil ich Montag wieder in UB sein muss, trete ich lieber rechtzeitig wieder den Rückweg an – und dann kommt er mir doch noch entgegen. Was für ein Glück. Als er erzählte, dass er in seinem Camp selbst holländischen Käse produziert, lief mir bereits das Wasser im Mund zusammen. Wir laden alles in den Geländewagen, dann beginnt die abteuerliche Anreise zu Bert’s Ger-Camp. Der Auswanderer lebt seit 2001 in der Mongolei mit seiner Frau.

Zunächst durchqueren wir den Fluss Tuul, mit dem Auto, so richtig quer durch. Tief ist der Fluss nicht, aber flach nun auch wieder nicht. Aus welchen Gründen auch immer nehme ich mein Helm vom Fußraum auf meinen Schoß. Nicht dass das irgendwie helfen würde, falls der Fluss sich tatsächlich entscheiden würde, das Auto mitzureißen. Doch es passiert nichts. Wir fahren trockenen Fußes durch den Fluss, der vom vielen Regen deutlich angestiegen ist. Wenn ich die Hand aus dem Fenster halten würde, ich könnte damit durchs Wasser fahren, wie beim Paddeln.

Die Weiterfahrt ist nicht weniger spektakulär. Stellt euch einen natürlichen BMX-Park vor, mit Hügeln, Kurven, Schlamm und dann durchquert den Park mit dem Auto. Eine gewisse Übelkeit kann ich nicht wegreden, als wir am Camp ankommen. Ausladen. Bert muss gleich wieder los. Ich stelle meine Ausrüstung zunächst in die Jurte eines jungen Holländers, mit dem ich anschließend auf Wanderschaft gehe. Wir steigen auf einen der nahe gelegen Gipfel. Ich – immer noch Super-Schlappi – muss ganz schön durchatmen. Der Berg belohnt unsere Anstrengung allerdings mit einer unwiderstehlichen Aussicht über den Terelj Nationalpark.

Anschließend steigen wir hinunter zurück ins Tal, zurück zum Camp, wo bereits zwei weitere Neu-Ankömmlinge warten. Zwei Franzosen. Es fängt an zu regnen, ein Regenbogen spannt sich quer über das Tal. Während wir auf das Essen warten, verirren sich vier Yaks in das Camp. Es sind eigentlich friedliche Tiere, aber die Französin hat schlechte Erfahrungen gemacht. Ein Yak sei vor Kurzem auf sie zugestürmt und wollte sie wohl niedertrampeln. Erst als jemand einen Stein nach dem Tier warf, blieb es stehen. Zum Abendbrot gibt es Hähnchen, Brokkoli und Kartoffeln. Die Yaks sind wieder verschwunden, als wir fertig sind. Danach geht es in die Jurten. Ich bleibe in der Jurte von Yorick.

Zum Frühstück gibt es Joghurt mit Müsli. Ich schlage mir den Magen voll, dann kommt allerdings noch Brot mit Käse, Wurst, Tomaten und Gurke dazu. Ich esse weiter. Und dann gibt es auch noch 2 Spiegeleier. Ich esse und platze. So viel gab es lange nicht mehr zum Frühstück. Yorick verlässt das Camp am Vormittag. Stattdessen stoßen drei weitere Holländer und zwei Deutsche zu uns. Wir tauschen uns aus, vor allem mit Florian und Natalia rede ich viel – so schön, mal wieder deutsch zu reden.

Zum Mittag gibt es selbst gemachte Gemüsesuppe, Käsebrote und Thunfischsalat. Lulu ist im siebten Himmel. Schließlich bricht einer nach dem anderen zum Wandern und Mountainbiken auf. Ich bleibe im Camp, sonne mich und lese. Ich könnte ewig hier bleiben. Es ist so friedlich, so ruhig, so schön. Eine Oase des Friedens und der Sicherheit. Der Kontrast zu UB ist riesig. Zum Abendbrot gibt es Fleisch, Kartoffeln, Spinat, Gurken-Tomaten-Salat und Melone. Hatte ich schon gesagt, dass ich im siebten Himmel bin?

Apropos Himmel… Weil ich mal wieder viel zu viel Tee trinke, renne ich die ganze Nacht auf die Toilette. Was für ein Glück! Zum ersten Mal, seit ich UB verlassen habe, ist der Nachthimmel wolkenfrei – und was für ein Nachthimmel das ist! Millionen von Sternen erhellen die Dunkelheit, die Milchstraße zeichnet sie überdeutlich als weißer Streifen am dunkelblauen Himmel ab. Einmal zu den Sternen fliegen, was wäre das schön. So einen Sternenhimmel habe ich noch nie gesehen! In der Wüste Gobi, wo ich bald sein werde, soll der Nachthimmel noch eindrucksvoller sein. Ich kann es kaum erwarten, ich könnte ewig zu den Sternen gucken…

Am nächsten Morgen geht es zurück in die Stadt. Ein klappriger Nachbar, der von der 100 nicht weit entfernt sein kann, bringt Anton und mich über den Fluss. Dort wartet Bert mit einem Neuankömmling aus den Niederlanden. Wir werden einmal ausgetauscht. Dann geht es mit dem Auto zurück in die Stadt – Bert meinte, ich kenne den Weg ja schon, da könnte ich auch mit dem Auto mitkommen. Dem kann ich nicht widersprechen. Sie setzen mich an der deutschen Botschaft ab, am Nachmittag hole ich mein Visum in der chinesischen Botschaft ab. Dann quartiere ich mich noch zwei Nächte in Meg’s Hostel ein, um alles Digitale abzuhaken, bevor es in die Wüste Gobi geht.

 

Tag 89 | Gorkhi Road – Berts Ger-Camp | 21,4 Kilometer | 250 Höhenmeter

Tag 90 | Berts Ger-Camp | Ruhetag

Tag 91 | Berts Ger-Camp – Ulan Bator | Auto

 

Bilder aus der Mongolei

 

2 comments on “Durch einen Fluss und über steile Rampen zu einer Oase der Ruhe

  1. gabiwinck sagt:

    2 Monate meditieren … hahaaaa – das muss aber langweilig sein …

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