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Zwischenspiel IX: Auf einen Quickie mit Kyoto

Stadt der Farben. Stadt der Traditionen. Stadt der Mythen. Kyoto ist eine Reise in die Zeit von Kaisern und Geishas. Kyoto ist eine Reise in die Welt der Götter und Geister zwischen den Verflechtungen des Buddhismus, Shintō und traditioneller Mythologie. Kyoto ist eine Reise ins alte Japan, in die Geschichte dieser grünen Inselkette auf der Bruchzone von vier tektonischen Platten. 

Bilder aus Japan | Osaka – Kyoto

1,5 Millionen Einwohner. Fast genauso viele Touristen. Einst Hauptstadt und Kaiserresidenz. Heute Weltkulturerbe und religiöses Zentrum. Diesseits und jenseits von Japan schwärmt jeder von Kyoto. Die Stadt ist das kulturelle Zentrum Japans – und trägt die Nase höher als der Fuji seinen schneebedeckten Gipfel. 2000 Tempel und Schreine gibt es zwischen dem Biwa-See und Berg Atago zu besichtigen: Kaiserpalast, goldener Pavillon, Torii-Bogengang, Bambuswald.

Ich folge meinem altbewährten Rezept: sich treiben lassen. In Gion sichte ich eine Geisha, eine zweite, eine dritte, Hunderte. Geisha für eine Tag sein – diesen Traum erfüllen sich viele Japanerinnen; sie schlüpfen in die seidenen Kimonos, laufen durch die Stadt, fotografieren und lassen sich fotografieren. Selfietime. Echte Geishas in Ausbildung zeigen sich selten, meist nur abends in den Straßen von Gion, Zentrum dieser traditionellen Unterhaltungskünstlerinnen.

Auch wenn die Stadt stolz ist, auch wenn die Einwohner stolz sind – sind viele Japaner doch in der Lage, über sich selbst zu lachen. In Japan stehen an Einfahrten und Baustellen in der Regel Einwinker. Sie zeigen einem herausfahrenden Auto, wann es fahren kann, und beschützen Fußgänger vor etwaigen Raudis. Während ich durch Gion laufe, treffe ich auf so einen Einwinker, der gerade nichts zu tun hat, mit seinem Stab – so einen, wie sie ihn auf dem Flugfeld nutzen – eine Pirouette dreht, die Hüften schwingt, den Kopf bangt, seinen Stab durch die Luft wirbelt. Er zwinkert mir zu, springt auf die Straße, stoppt imaginäre Autos und winkt mich vorbei. Arigato.

Im Schein des Vollmonds, zwischen rötlich leuchtenden Laternen lausche ich am Abend traditioneller Musik, die an einigen Schreinen zum Mondfest gespielt wird. Es ist ein Moment, der einen tief in diese mythologische Geisterwelt der Japaner eintauchen lässt.

Am nächsten Tag schlemme ich mich auf dem völlig überlaufenen Nishiki-Markt durch Fisch und Gewürze, Kuchen und Saucen, wandere durch Gion bis zum Friedhof und bergauf zum Zenkōjido. Eher zufällig latsche ich während des Sonnenaufgangs den Berg hinauf. Glückskind. Der Tempel leuchtet orangerot im Licht der letzten Sonnenstrahlen, die über die Berge im Westen ihr Licht auf den Tempel werfen. Atemlosaugenblick.

Anschließend lasse ich mich durch die verschlungenen Gassen an Hunderten Restaurants vorbei zum Fluss treiben, wo ich neidvolle Blicke auf die Ryokans werfe: japanische Gasthäuser, in denen Touristen ins alte Japan eintauchen; leben und schlafen nach den alten Traditionen. Kostet nur ein Vermögen…

Bei Sonnenschein kämpfe ich mich am nächsten Morgen durch die Massen am Fushimi Inari-Taisha. Das verschlungene Labyrinth aus Hunderten Torii, Schrein-Tore, zieht eine orange Spur den dicht bewaldeten Berg hinauf. Während ich unten keinen Fuß vor den anderen setzen kann, bin ich oben nahezu allein. Der heilige Komplex des Shintō ist den Göttern des Reises und Sakes gewidmet. Bei Regen radle ich einen Tag darauf zum grün leuchtenden Arashiyama Bambusbald, der genauso überlaufen ist und zur Ōkōchi Sansō Villa führt.

Die letzten zwei Nächte schlafe ich in einem japanischen Hostel, das mich fernab aller unbezahlbaren Ryokans nahe genug an das japanische Wohnerlebnis heranbringt. Schuhe aus, Slipper an. Vor dem Zimmer ziehe ich die Slipper wieder aus, für die Toilette gibt es eigene Slipper. Tagsüber müssen Gäste das Hostel verlassen, damit der unfassbar freundliche Hostelchef – in Japan ist der Gast Kaiser – das Hostel reinigen kann.

Ordnung, Sauberkeit und Gepflogenheiten sind den Japanern wichtig. Was nicht überrascht. Die Japaner selbst sind nämlich die höflichsten und geduldigsten Menschen, die ich je getroffen habe. Ständig verbeugen sie sich, grüßen und bedanken sich, domo arigatō gozaimasu. Beim Joggen laufen sie auf Zehenspitzen, nicht viel schneller als Schrittgeschwindigkeit – als ob sie selbst beim Sport versuchten, höflich zu bleiben und nicht dreckig zu werden. Was mir noch viel besser gefällt: alle sprechen Englisch – auch wenn ich mithilfe einer App meinen japanischen Sprachschatz täglich erweitere.

Es fällt mir schwer, mich von der stolzen Stadt wieder zu lösen. Kyoto. Japan. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Nach der Zurückweisung im chinesischen Visumszentrum in Osaka finde ich immer mehr Gefallen an dem Gedanken, nicht nach China zurückzukehren.

Tag 140 bis 144 | Kyoto

Alle Bilder der Weltreise

 

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