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Kapitel XXXIII: Von Okayama nach Hiroshima

Nach den abenteuerlichen Nächten in der Mongolei und der ständigen Ungewissheit in China lasse ich mich von der Idylle und der Sicherheit Japans einlullen – und merke gar nicht, wie ein Taifun auf mich zurast. 

Bilder aus Japan | Kyoto – Miyajima

Ich hätte es Kommen sehen können. Vielleicht müssen. Vielleicht hätte ich mir auch einfach den Wetterbericht anschauen sollen, was ich seit Norwegen nicht mehr mache, weil ich sowieso nichts am Wetter ändern kann. Eigentlich weiß ich aber, dass Taifune in Japan eine Gefahr sind, und dass Taifun-Saison ist. Doch ich habe alle bösen Gedanken in Japan abgestellt und mir nichts dabei gedacht, als immer mehr Regen vom Himmel kam, als der Himmel immer dunkler wurde…

Aber spulen wir noch einmal zurück. Ich verlasse Okayama in Richtung Uno, wo ich auf die Fähre steige, die mich zunächst zur Insel Naoshima bringt und am nächsten Tag weiter nach Takamatsu. Die nächsten Tag fahre ich bei stetigem Regen über die dicht bewaldete Insel mit unzähligen, steil ansteigenden Bergen. Anton bringt mich erst einmal an die Hänge des Bergs Kunimi. Von dort geht es weiter über Saijō nach Imabari, die Brücken der Shimanami Kaidō entlang, über sechs Inseln bis nach Onomichi und weiter nach Mihara.

Es schüttet den ganzen Tag. Ich baue mein Zelt unter einer Brücke auf, damit wenigstens das Zelt mal durchtrocknen kann. Sonst gibt es nicht mehr viel, das noch trocken ist – was nicht tropft, ist zumindest feucht. Unter der Brücke koche ich Abendbrot und denke, dass jetzt nur kein Wind aufkommen darf, der den Regen unter die Brücke trägt.

Ab ins Zelt, Hörbuch an. Ich döse sofort ein, wache zwei Stunden später wieder auf, weil die Zeltwand über meine Wange streift. Wie ein Luftballon wölbt sich eine Seite des Zelts nach innen. Was ist denn nun los? Ich gehe hinaus und muss mich mit einem Fuß abfangen. Es windet nicht, es stürmt.

Ich verankere, verstaue alles und kehre nass ins Zelt zurück. Ob das ein Taifun sein könnte? Die Zeltstangen knirschen unter dem Druck. Aber, nein, ich will nicht gleich wieder das Schlimmste vermuten. Ich werfe den Schlafsack über meinen Kopf, der überraschend schalldicht ist, kämpfe noch eine Stunde mit der Panik, bevor ich tatsächlich einschlafe. 5 Stunden später bin ich wieder wach, das Zelt wölbt sich noch immer, das Zelt steht noch. Peter. Nach dieser Nacht hat es sich einen eigenen Namen verdient.

Ich erlöse Peter frühzeitig von dem Kampf gegen das Wetter und fahre weiter. Es regnet, es stürmt. Obwohl die Sonne aufgegangen sein sollte, ist es stockfinster. Nach 35 Kilometern und 400 Höhenmeter habe ich die rot glühende Nase gestrichen voll. Aus meinem Ärmeln läuft das Wasser schon in Sturzbächen hinaus. Nördlich von Higashihiroshima gibt es einen Zeltplatz, den steuere blindlings an, das Navi ist im Rucksack.

Als ich einen Weg über die Schienen suche, springt plötzlich ein Schild vor meine Augen. Jugendherberge. Ich überlege gar nicht lange – so teuer wird es schon nicht sein und meine Mitgliedskarte habe ich auch dabei. Ich klingle. Die japanische Familie, die das Hostel betreibt, kommt mir mit Handtüchern, Essen und Zeitungspapier entgegen.

Ich bin der einzige Gast. Als ich im Zimmer bin, springe ich erst einmal in die Mini-Badewanne, bis die Gänsehaut weg ist. Dann schaue ich mir Filme auf dem iPad an. Ab und zu schaue ich hinaus. Der Sturm scheint noch schlimmer zu wüten. Gestern habe ich bei diesem Wetter draußen übernachtet, überlege ich. Gänsehaut. Bin ich denn total bescheuert? Was für ein Glück, dass sich mein Weg mit dem Hostelschild gekreuzt hat.

Nach einem ausgedehnten Frühstück geht es weiter – aber nicht viel. Ich bin zufällig in der Hauptstadt des Sake gelandet – und das muss ich doch ausnutzen. Ein Prospekt verrät mir, dass ich den Schornsteinen folgen muss – das mache ich und stecke plötzlich, zwischen den ganzen Sake-Schornsteinen, in einer französischen Touristengruppe. Ich hänge mich an – die werden schon wissen, wo es die besten Plätze gibt – und lande in einer Brauerei. Es gibt einen Videovortrag und eine Sakeprobe. Dann schleiche ich wieder hinaus, zum Campingplatz am Berghang. Es stürmt immer noch, aber es ist trocken, die Sonne scheint.

Einen Tag später rolle ich hinab nach Hiroshima, wo ich erfahre, dass es tatsächlich ein Taifun war, der da über mich hinweggezogen ist. Ein Super-Taifun, der 6 Menschen das Leben gekostet hat. Der Taifun ging jedoch in der Region Tokio an Land. Ich habe also nur die Ausläufer zu spüren bekommen. Alles gut.

Tag 155 | Okayama – Naoshima Island | 30 Kilometer | 250 Höhenmeter

Tag 156 | Naoshima Island – Sakaide | 38 Kilometer | 380 Höhenmeter

Tag 157 | Sakaide – Shiozukakogen | 78,7 Kilometer | 1700 Höhenmeter

Tag 158 | Shiozukakogen – Saijō |67,3 Kilometer | 820 Höhenmeter

Tag 159 | Saijō – Mihara | 113,2 Kilometer | 100 Höhenmeter

Tag 160 | Mihara – Higashihiroshima | 32,9 Kilometer | 590 Höhenmeter

Tag 161 | Higashihiroshima

Tag 162 | Higashihiroshima – Hiroshima | 37,6 Kilometer | 400 Höhenmeter

Alle Bilder der Weltreise

 

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