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Kapitel XXXIII: Von Osaka nach Tokio

In den letzten Nächten in Japan wird es noch einmal richtig kalt, weißer Frost überzieht mein grünes Zelt. Die Tage dagegen strahlen um die Wette, den weißen Gipfel des Fuji erblicke ich, als ich noch Tage vom Pass entfernt bin.

Bilder aus Japan | Kyoto – Miyajima

Als ich am Morgen – Frostbeulen überall – in Osaka aufbreche, treffe ich ein letztes Mal auf Yoko. Sie läuft jeden Morgen, bevor sie zur Arbeit fährt, durch den Tsurumi Ryokuchi Park. So auch am diesen Morgen, denn am Wochenende nimmt sie am Marathon in Kobe teil. Ich bedanke mich noch einmal für all das Essen beim Grillen und das Entspannen im Onsen. Viel Zeit für weitere Gespräche ist nicht. Yoko hat es eilig, und auch ich habe noch einen langen Weg vor mir.

Ich fahre durch den Irrgarten Osakas bis zum Fluss Yodo. Weiter nach Kyoto. Es ist bitterkalt. Bevor ich um 18 Uhr Schutz bei meinen Gastgebern Ryan und Aoi suchen kann, besichtige ich den goldenen Tempel in Kyoto, der sich im Licht der untergehenden Sonne von seiner Schokoseite präsentiert. Ryan und Aoi beherbergen nicht nur mich, sondern drei weitere Couchsurfer; die zwei lieben es zu reisen und nehme so viele Couchsurfer auf, wie ihre Wohnung hergibt. Falls also mal jemand nach Kyoto reist, quartiert euch bei Ryan und Aoi ein…

Mit Ani und Wils freunde ich mich gleich an. Die zwei Dauerreisenden aus Amerika haben sich beim Reisen kennengelernt, sind durch einige Länder geradelt und haben schließlich geheiratet. Mittlerweile reisen sie wieder ohne Rad, doch als Ani mein Anton sieht, bricht das Radreisefieber gleich wieder aus. Wir freunden uns bei Facebook an, falls die zwei doch mal wieder Lust bekommen, aufs Rad zurückzukehren. Am Abend backt Ani Bananenbrot, das noch besser schmeckt als beim Sol – und das will schon was heißen. Ich drücke die Daumen, dass ich die zwei noch einmal wiedersehe – allein schon, um noch mehr Bananenbrot zu bekommen.

Am nächsten Tag geht es weiter, am Biwa-See entlang in die Berge. Die Nächte sind noch kälter als in Osaka, Frost färbt mein grünes Zelt über Nacht weiß. Schlaflos durch Japan. Ich radle schnell weiter, bevor es noch kälter wird. Gegen den Wind fahre ich nach Tsu, mit dem Wind weiter nach Toba. Tagsüber ist es vergleichsweise warm, sobald die Sonne herauskommt. Die Fähre bringt mich am Abend nach Irago. Die von Sturm aufgepeitschte See schlägt donnernd gegen den Rumpf, die Wellen brechen bis zu den Kabinenfenstern. Die Crew schließt die Vorhänge. Als ob das helfen würde…

Als wir in Irago ankommen, ist es dunkle Nacht. Doch ich habe Glück. Auf einem Wald- und Wiesenparkplatz, nicht weit vom Anleger entfernt, schlage ich mein Zelt auf, direkt vor einer dichten Hecke, die die schlimmsten Böen soweit abfängt, dass mein Zelt nicht davon fliegen kann. Am nächsten Morgen bekomme ich mal wieder einen Kaffee. Der Japaner hatte mich schon beobachtet, als ich mein Zelt noch abbaute. Jetzt quatscht er mich voll. Auf Japanisch. Ich gebe ihm zu verstehen, dass ich kein Japanisch spreche, doch er sprudelt drauf los.

Ich verabschiede mich, fahre los, er fährt hinterher. 10 Kilometer verfolgt er mich, bevor ich anhalte und ihm zu verstehen gebe, dass ich wirklich lieber allein weiterfahren würde. Doch er will mich beschützen oder so… ich verstehe, wie gesagt, nicht alles, was er mir sagen will. Während er sich eine Zigarette anzündet, springe ich auf mein Rad und fahre los. An der nächsten Ecke biege ich in den Wald ein, verstecke mich und warte. 45 Minuten. Dann fahre ich weiter. Meinen Verfolger sehe ich nicht mehr wieder.

Der Pazifik-Radweg führt mich Richtung Norden an Sandstränden und Felsenküsten vorbei. Die Aussicht ist spektakulär. Vereinzelt reiten einige Japaner die winzigen Wellen des Meeres – sie versuchen es zumindest. Wenn es nicht so kalt wäre, würde ich mein Zelt am Strand aufschlagen, aber ich will so schnell wie möglich nach Chigasaki, wo meine nächste Gastgeberin und ein Dach über dem Kopf auf mich warten.

Der Berg Fuji meldet sich frühzeitig an. Es ist ja nicht so, dass ich noch nie einen Berg gesehen hätte, aber dieser Berg ist ziemlich ikonisch. Unter Tausenden Bergen würde die schneebedeckte Kuppel immer hervorstechen. Sie bleibt das Motiv meines Horizonts, erst vor mir, später in meinem Rücken. In Hamamatsu und Shizuoka übernachte ich in leeren Stadtparks. Die Sonne begleitet mich weiterhin, genau wie der Rückenwind, genau wie die Sandstrände. Es ist eine wunderschöne Strecke bis nach Tokio.

Ab Fuji geht es bergauf. Ich radle den Berg Hakone hinauf und treffe eher zufällig auf den Skywalk. Da ich aber schon mal da bin, stürze ich mich gleich in die touristischen Massen. Allerdings nicht allzu lang, das warme Bett ist mir an diesem Tag wichtiger. Es geht immer weiter hinauf bis zum Ashi-See und dann auf einer spektakulären Abfahrt mit engen Serpentinen hinab nach Odawara.

Die letzten Kilometer fahre ich durch die Nacht, bevor ich bei Gail klingle. Gail ist aus Deutschland, arbeitet allerdings seit einigen Monaten in Japan als Englischlehrerin. Ich bleibe gleich zwei Nächte bei ihr, spanne aus, besuche die Bibliothek, gehe mit Gail essen. Wir verstehen uns auf den ersten Blick. Sie möchte mich in die Schule mitnehmen, damit mich die japanischen Schüler auf Englisch ausfragen können. Eine tolle Idee, finde ich, aber der Schulleiter ist nicht da, um sein Ok zu geben.

Also weiter. Die letzten 70 Kilometer nach Tokio sind eine städtische Tortur. 7 Stunden brauche ich, bevor ich, wieder im Dunklen, in der Tokyo Bay ankomme. Ich komme bei Joni unter, Programmierer künstlicher Intelligenzen aus China, der mich aufnimmt. Der Blick von seiner Wohnung im 14. Stock auf das glitzernde Panorama Tokios ist atemberaubend. Ich kann es kaum erwarten, diese lebendige Stadt, ihre Märkte, Schreine und Restaurants zu erkunden. Aber Morgen ist schließlich auch noch ein Tag…

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