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Zwischenspiel XIII: Auf einen Quickie mit Hanoi

Reizüberflutung für Augen und Ohren, für Mund und Nase. Das ist Hanoi. Die Hauptstadt Vietnams, ihre Architektur, ihre Kultur ist gezeichnet von der einstigen Besetzung Chinas, der Besetzung durch Frankreich. Das hat die Menschen Hanois nur stolzer auf ihre Tausend Jahre alte Stadt zwischen den Flüssen gemacht.

Bilder aus Vietnam | Hanoi – Hoi An

Motorroller überfluten die löchrigen Straßen Hanois, wirbeln den Sand der Straße, den Dreck der Lastkraftwagen durch die Luft, der sich beißend in meinen Augen vergräbt. Die Luft stinkt, die Luft sitzt im Halse wie ein Kloß, während die Zweiräder sich hupend die Vorfahrt nehmen, mich schneiden oder ausbremsen. Der Stärkere gewinnt. Ich erinnere mich an China. Warum ich dennoch nicht aufhören kann zu grinsen? Ich muss nicht mehr allein durch das Chaos der Straße. Florian folgt mir, auf seinem Rad. Wir sind zu zweit, zumindest für vier Wochen.

24 Stunden zuvor. Ein A380 bringt mich nach Seoul. Das Flugzeug ist so leise, das Filmprogramm so spannend, dass ich meine Flugangst vergesse. Erst als der Flieger überraschend aufsetzt, rutscht mir das Herz für eine Sekunde in die Hose. Ich bin so vertieft in das Finale von Planet der Affen, dass ich den Landeanflug völlig verdrängt habe. Von Seoul geht es weiter, durch die Nacht nach Hanoi. Als der Flieger in der vietnamesischen Hauptstadt aufsetzte, erschrecke ich nicht, sondern bekomme feuchte Augen, weil wir sicher gelandet sind, ich noch lebe und wieder festen Boden unter den Füßen habe.

Der Zoll winkt mich ohne Verzögerung durch, Anton wartet bereits auf mich. Kein Gepäckstück ist auf der Reise verloren gegangen. Ich verlasse die Gepäckhalle und finde im ersten Stock des Airports zwei Reisende, die ihre Isomatten und Schlafsäcke ausgebreitet haben. Ich lege mich dazu. In 6 Stunden kommt Florian an – sinnlos, die irgendwo im Hostel zu verbringen, wenn sowieso Dutzende Menschen – Reisende, Wartende, Angestellte – im Flughafen schlafen.

Kurz vor 8 ist es endlich soweit. Ich beobachte, wie Florian durch den Zoll geht, die Treppe hinunter, zum Gepäckband. Sein Fahrrad steht schon bereit und ich wundere mich, warum er ist nicht auf den Wagen packt. Während ich unten auf Flori wartet, sieht er immer noch nicht sein Fahrrad. Wartet. Wartet. Fragt nach. Da steht es doch. Direkt neben den drei Weihnachtsbäumen. Dann kommt er endlich heraus. Umarmung. Nicht mehr allein. Zumindest für 4 Wochen.

Neben allerlei Zeugs bringt Florian mir Klopfer mit. Mein Kuschelhase seit Kindertagen, der in Italien (oder war es die Schweiz?) mal abhauen wollte – sprich Klein-Lulu hatte ihn in einer Telefonzelle vergessen – und dann doch wieder aufgetaucht ist. Eigentlich sollte er vom ersten Tag an mitreisen, doch ich dachte, für so etwas ist nun wirklich kein Platz. Als ich dann in der Mongolei verzweifelt etwas zum Festhalten gesucht habe und nur das iPad fand, war mir klar, dass Klopfer so schnell wie möglich nachkommen muss. Umso schöner, dass er Florian gleich mitgebracht hat.

Wir bauen die Räder auf, zwei vietnamesische Frauen erleichtern uns um die Riesenkartons und sind selbst froh über zwei weiche Betten. Dann geht es durch das Chaos des vietnamesischen Verkehrs. Zunächst durch die Außenbezirke, über eine Eisenbahnbrücke, dann am West-See vorbei quer durch das Zentrum der Hauptstadt in den Süden, wo uns Trong empfängt, unser Gastgeber, der uns gleich den Schlüssel für seinen Motorroller in die Hand drückt. Dass keiner von uns beiden eine Lizenz besitzt, kehren wir unter den Tisch. Während Trong zu seiner Mutter fährt, rollern wir in die Stadt – also nicht sofort, der alte Roller braucht einige Minuten, um warmzulaufen.

Dann stürzt sich Flori, mit mir auf dem Rücksitz, in den wilden Verkehr. Der alte Roller, drängelnde Vietnamesen, Unerfahrenheit und das Recht des Stärkeren fordern Flori alles ab. Doch er bringt uns sicher ins Zentrum, zum Hoan Kiem Lake, zum überbrodelnden, pulsierenden Herz der Stadt. Wir essen im Bun Bo Nam Bo, Rind-Nudel-Salat, dann fahren wir zum Lakeview-Café, werfen bei Café, Cocktail und Eis einen Blick über den leuchtenden See, auf die rot glühende Brücke, die zum Tempel im See führt, auf singende und tanzende Menschen, Luftballons, Märkte, Musik, Gokarts, Kostüme, Tauziehen. Florians Mannschaft gewinnt. Ob die Menschen Hanois das Bett irgendwann gegen die Straße eintauschen? Wir finden es nicht heraus.

Am nächsten Morgen gibt es ein traditionelles Reisgericht, dann fahren wir zu Thomas. Thomas habe ich im September in Japan, zwischen Osaka und Nara getroffen. Sechs Monate im Jahr lebt und arbeitet er in Hanoi, wo seine Frau und seine Tochter leben. Die anderen 6 Monate lebt er in Berlin oder reist mit dem Fahrrad, führt Neugierige mit dem bepackten Zweirad durch alle möglichen Länder. Wir essen bei Thomas, Teigtaschen und Tofu, Melone und Birne, lernen seine Familie kennen, und arbeiten gemeinsam eine mögliche Route aus. Dann geht es zurück.

Durch den Staub der zerstörten Straßen, zwischen Lastkraftwagen und Motorrollern hindurch, an bunten und turmhohen Tempeln vorbei. Die Flüsse der Stadt, die vor 45 Jahren zu großen Teilen durch die Bombardierung im Vietnamkrieg zerstört wurde, sind schwarz, Müll überall. Auf der Straße wird nicht nur gefahren – und gekämpft -, es wird gehandelt, gegessen, geschweißt. Tiere rennen durch die Gegend. Hühner, Hunde, Ratten. Kulturschock. Der Smog hängt so tief, dass die graue Masse der Häuser in die graue Masse der Luft nahtlos übergeht. Auch in Vietnam vertragen die Toiletten das Toilettenpier eher nicht. Stattdessen gibt es eine Wasserbrause, die gleich neben der Klobrille hängt. Geschickt.

Trong und seine Mutter bereiten uns an diesem Tag das Abendbrot. Es gibt Reis, Gemüse, Hühnchen, Garnelen. Zum Nachttisch Obst. Kaki und Grapefruit. So ist das überall in Vietnam. Anschließend lehrt uns Trong die wichtigsten vietnamesischen Worte und Sätze: Wie wir feilschen, wie wir nach einem Schlafplatz fragen, wie wir zählen. Gar nicht so leicht, die Sprache. Vor allem die unterschiedlichen Zungenschläge, die dem gleichen Wort zwei verschiedene Bedeutungen geben, verwirren mich völlig. Ich fotografiere die beschriebene Tafel, um sie den Vietnamesen zu zeigen, anstatt Blödsinn zu reden, weil ich die Zunge in die falsche Richtung bewege. Mit diesem Rüstzeug kehren wir der tausend Jahre alten Stadt den Rücken. Es war aufregend, es war anstrengend – fragt mal Florian, der seinen motorisierten Ausflug durch den Rollerirrsinn Hanois wohl nie vergessen wird.

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