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Ein Blick über die Schulter I: Von Hoi An nach Da Lat

Der zweite Teil unserer gemeinsamen Reise verspricht Berge und ruhige Straßen. Doch nach einem Ruhetag in Hoi An kommt alles anders und wir erreichen Da Lat nicht, wie geplant, auf zwei Rädern.

Bilder aus Vietnam: Von Hoi An nach Da Lat

In Hoi An gönnen wir uns nach zehn Tagen im Sattel den ersten Ruhetag, denn auf dem dicht befahrenen Highway 1 sind wir schnell vorangekommen und liegen gut in der Zeit. Für zwei Nächte kommen wir bei Chloe unter. Die Französin reist auch durch die Welt und ist seit Australien, als das Geld knapp wurde, ebenfalls auf dem Rad unterwegs. Von Singapur aus ist sie bis in die Mitte Vietnams nach Hoi An gefahren, hier unterrichtet sie für eine Weile im Yogastudio Nomad und nimmt selbst an einem Kurs teil. Für diese Zeit hat sie sich mit einem Schweizer Koch ein Häuschen gemietet und freut sich darüber, andere Radfahrer aufnehmen zu können, um so etwas zurückgeben.

Wir genießen unsere Zeit in Hoi An, das uns nicht nur wegen seiner typisch gelben, zweistöckigen Altstadthäusern gefällt, sondern vor allem auch wegen seiner Ruhe. Hier können Musiker mit akustischen Instrumenten auf der Straße spielen, ohne sofort vom Gehupe des Verkehrs übertönt zu werden. In dem touristischen Städtchen gibt es außerdem Geschäfte, die nicht nur Kitsch anbieten, so zum Beispiel die Precious Heritage Art Gallery von Réhahn. Dort kann man sich in einer kostenlosen Ausstellung über Stämme von Minderheiten in den Bergregionen Vietnams informieren und ausdruckskräftigen Bilder und Postkarten mit Motiven der Menschen dieser Stämme kaufen. Das Essen ist, wie in ganz Vietnam, ein Genuss – in Hoi An gibt es aber auch internationale Küche und so lässt sich die Käseliebhaberin Luisa zum ersten Mal, seit sie in Asien ist, richtigen Roquefort schmecken. Abends genießen wir dann wieder die einheimische Spezialität Cao Lau in einem vegetarischen Restaurant, dass uns Chloe empfohlen hat.img_2802

Am nächsten Tag machen wir uns – mit unseren frisch gewarteten Rädern – schon wieder auf den Weg. Wir fahren zunächst zum Yogastudio, um uns von Chloe zu verabschieden, die früh morgens raus musste. Danach geht es zur Post, um die Karten und die Weihnachtspost abzuschicken – die Beamte hinter dem Tresen freut sich über die schönen Motive von Réhahn auf den Karten. Nach einem Frühstück, das aus Banana Pancakes und süßem Gebäck vom Markt besteht, kehren wir gegen Mittag dem wohligen Hoi An den Rücken.

Die zweite Hälfte unseres Wegs von Hanoi nach Ho Chi Minh City (oder Saigon) soll uns von der lauten und viel befahrenen Küstenstraße weg und durch das Hinterland und die Berge Vietnams führen. Zunächst geht es über Feldwege, vorbei an abgeernteten Reisfeldern, die eifrig umgepflügt werden. Luisa navigiert uns mit ihrem unfehlbaren Orientierungssinn durch kleine Dörfer, über Trampelpfade, einen Friedhof und eine Eisenbahnbrücke bis wir auf eine ruhige Landstraße gelangen.

Unser erstes Ziel sind die Tempelanlagen von My Son, die wir schnell erreicht haben. Hier beschließen wir, die Tempel zu besichtigen und anschließend in der Näher einen Zeltplatz zu suchen. Die zum UNESCO-Weltkulturerbe erklärte Tempelstadt, von der viele Tempel leider durch amerikanische Bomben im Vietnamkrieg stark beschädigt wurden, liegt versteckt in einem üppig grünen Tal, durch das sprudelnde Bäche fließen. Man kann sich fragen, ob in My Son nicht sogar die Natur beeindruckender ist als die vor sich hin zerfallenden, reich verzierten, tausend Jahre alten Tempel aus roten Backsteinen. Wir drehen eine Runde durch die Anlagen, verlassen das Besuchergelände und schlagen müde unser Zelt auf.

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Am nächsten Morgen weckt uns das leider schon vertraute Geräusch des auf das Zelt prasselnden Regens. Während wir zusammenpacken, meint Luisa gefrustet: „Ich könnte vier Tage Pause gebrauchen“ – ich ignoriere das und schiebe es auf das miese Wetter. Heute bauen sich die Berge, die gestern noch dunkel und zackig aus der Ferne gegrüßt haben, in ihrem satten Grün langsam rechts und links der Straße auf. Ihre Gipfel verstecken sich in den tief hängenden weißen Wolken. Erste Steigungen stellen sich uns in den Weg. Wir sind ohne Frühstück losgefahren und wollten uns auf einem Markt eindecken, wie wir das schon oft gemacht haben – heute finden wir aber keinen Markt. Nachdem wir 20 Kilometer unterwegs sind, sind wir mit der Geduld am Ende und gehen mit knurrenden Mägen in eine Suppenküche am Straßenrand.

Während des Frühstücks schaut mich Luisa ganz bedröppelt an: Sie ist total fertig und vermisst ihre Freunde von zu Hause an Weihnachten – das ständige Grau des Wetters hilft da nicht unbedingt. Wir beschließen, nach Hoi An zurückzufahren, um dort Weihnachten zu verbringen und uns richtig auszuruhen. Da wir nicht den ganzen Weg zurück nach Hoi An in einer Tour fahren wollen, decken wir uns auf einem Markt, den wir dann doch noch finden, mit Früchten ein, pflücken auf dem Weg noch eine Sternfrucht und suchen unseren Zeltplatz bei My Son nochmal auf. Es ist noch früh – wir chillen ein bisschen im Zelt, futtern das Obst und schauen Dokus auf dem iPad – ab morgen haben wir ja wieder Strom.

Am nächsten Tag – es ist der 24. – wachen wir wieder im Regen auf. Auf der Rückfahrt wechseln sich heute Regen und Sonne ab, wobei es in den Regenklamotten in der Sonne gleich drückend wird. Da Chloe schon wieder andere Gäste beherbergt, kommen wir im zum Wetter passend benannten Cloudy Homestay unter. Wir packen aus und beschließen, uns für das Weihnachtsdinner anzumelden. Zu diesem wird in internationaler Runde groß aufgetischt – es gibt Reispfannkuchen, die in Summerrolls gegessen werden (Luisa bekommt sogar die Zubereitung der Pfannkuchen beigebracht), Salat, pikante Spießchen, Brot vom Grill und Wassermelonen.

Mit vollen Mägen ziehen wir in die Stadt, in der das Leben nun pulsiert. Am Hafen gehen wir auf die Dachterrasse eines der Restaurants und genehmigen uns schokoladige Desserts und Cocktails – zur Feier des Tages. Trotzdem bleibt die Stimmung  gedrückt. Als wir wieder auf der Straße sind, bleibe ich einmal kurz stehen und schon ist Luisa verschwunden – ich gehe zurück ins Hostel, Luisa besucht noch die Mitternachtsmesse und zieht ein bisschen durch die belebten Straßen, in denen Livemusik gespielt wird.

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Die nächsten Tage ruhen wir aus. Luisa hat sich in dem nassen Wetter erkältet. Wir halten ein bisschen Abstand voneinander. Luisa arbeitet am Blog, ihrem Zeitungsartikel und der Facebook Seite – ich lese viel, pflege mein Rad und bringe Antons Licht, das seit Japan nicht mehr leuchten wollte, wieder zum Leuchten. Das Wetter bleibt grau.

Da Luisas Erkältung hartnäckig bleibt und der Weg nach Saigon noch weit ist, beschließen wir, mit dem Bus in die Berge nach Da Lat zu fahren. Ans Meer zu fahren scheint wenig Sinn zu machen, da dort gerade ein Taifun, der schon die Philippinen verwüstet hat, aufs Land trifft. Anton kann im Cloudy Homestay bleiben – Luisa und ich werden also nicht gemeinsam in Saigon ankommen, sondern werden schon ab Da Lat getrennte Wege gehen. Ich werde aus der Bergstadt zu meinem Flug nach Saigon aufbrechen und Luisa wird wieder nach Hoi An zurückkehren, um ihre Reise von dort, dann wieder allein mit Anton, weiterzuführen.

Der Schlafbus fährt nach einigen organisatorischen Missverständnissen mit Luisa, meinem Fahrrad, unserem Gepäck und mir abends in Hoi An ab. Nun sitzen wir also in einem dieser Busse, die täglich an uns vorbei gedonnert sind und uns mit ihrem schrillen Gehupe genervt haben. Doch auch nach diesem Perspektivwechsel können uns die Busse in Vietnam nicht begeistern. Das Hupen ist im Inneren nur leicht gedämpft, in Verbindung mit den holprigen Straßen fällt es schwer, Schlaf zu finden. Das letzte Stück von Nha Trang nach Da Lat quält sich der Bus mit röhrendem Diesel über enge Gebirgsstraßen die Berge hinauf. Anfangs ist die Aussicht auf die saftig grünen Gebirgshänge, die durch reißende Flüsse durchzogen werden, bezaubernd, doch nach ein paar Höhenmetern verstecken sich auch hier die Berge im Nebel. Gegen Mittag erreichen wir das auf 1500 Metern gelegene Da Lat.

One comment on “Vor Heiligabend kommt das Heimweh: graue Weihnachten in Hoi An

  1. Weich sagt:

    Sehr schön geschrieben

    Gefällt mir

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