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Ein Blick über die Schulter II: Auf einen Quickie mit Da Lat

Pizza Da Lat und Erdnussbutter-Bananen-Brötchen, Erdbeeren und Kaffee, Banh Can, Chao ga und Banh uot long ga – die vietnamesischeBergstadt mundet uns sehr. In einer Höhle hinter dem Elefanten-Wasserfall holen wir uns eine kalte Dusche bei blauem Himmel ab.

Bilder aus Vietnam: Hoi An bis Da Lat

Nachdem ich es auf der Suche nach unserem Hostel schaffe, an einem Abzweig zweimal den falschen Weg zu wählen – erst versuche ich es links, dann rechts, richtig wäre die Mitte gewesen – kommen wir bei Lucky im Hostel an. Wir ruhen uns kurz aus und gehen dann auf die Suche nach etwas zum Essen. Dass die Busfahrt so lange dauern würde, hatten wir nicht erwartet. Dementsprechend leer sind unsere Mägen. Wir finden ein Restaurant, in dem gegrillt wird. Hier gibt es unter anderem riesige, knusprig gebratene Frösche vom Holzkohlegrill – ich entscheide mich dann aber doch lieber für den gebratenen Reis, Luisa nimmt das Schweinefleisch, das sie bei uns auf dem Tisch auf einer heißen Platte grillt.

Mit wieder gefüllten Mägen ziehen wir noch ein bisschen über die Märkte Da Lats. Das Angebot ist hier noch umfangreicher als in Vietnam ohnehin schon. Neben exotischen Früchten wie Drachenfrüchten, Sternfrüchten, Ananas, Pomelo, Mango und vielen anderen, die es in Da Lat auch getrocknet gibt, werden in den die Stadt umgebenden Gewächshäusern zum Beispiel auch Erdbeeren geerntet, in den Höhenlagen wird Wein angebaut und die Stadt ist in Vietnam für ihre Blumen berühmt.

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Luisa hat immer noch mit ihrer Erkältung zu kämpfen. Daher beschließen wir, am nächsten Tag nur eine Runde um den See zu laufen. An diesem können sich frisch verliebte oder verheiratete Pärchen in Kutschen von abgemagerten Pferden am Ufer entlang kutschieren lassen oder versuchen, in Schwanentretbooten gegen den über den See blasenden Wind anzukämpfen. Das große Blumenfestival von Da Lat ist gerade zu Ende gegangen und am See werden die letzten Tribünen abgebaut. Wir genießen die Sonne, die sich gelegentlich zeigt und gehen noch zur Shoppingmall am See.

Ich hatte am Tag zuvor gesehen, dass es hier ein Kino gibt, in dem der neue Star Wars Film gespielt wird. Eigentlich hatten wir geplant, den Film zusammen in Saigon zu schauen – da daraus jetzt nichts mehr wird, versuchen wir es also hier. Am Schalter erfahren wir, dass am Vortag die letzte Vorführung war – aus dem gemeinsamen Kinobesuch wird also dieses Mal leider nichts.

Luisa ruht sich den Nachmittag im Hostel aus – ich beschließe mit dem Rad zur K’Ho Kaffeefarm zu fahren. Kaffee wird zwar nur in den Hochlagen Vietnams angebaut, ist aber im ganzen Land sehr beliebt. Er wird, nachdem er in einem speziellen Tropffilter zubereitet wurde, kalt oder warm meist mit dickflüssiger honigsüßer Kondensmilch getrunken.

Als ich auf der Farm ankomme, führt die Besitzerin gerade Verhandlungen mit einem Kaffeeröster aus Korea. Ihre Schwester führt mich durch eine abgeerntete Plantage und zeigt mir, wo der vor kurzem geerntete Kaffee getrocknet wird. Sie erklärt mir, dass der Kaffee hier nachhaltig angebaut wird und die Bauern, mit denen sie zusammen arbeiten, aus der Minderheit der K’Ho stammen – die Gewinne der Farm kommen ihnen zugute. Sie klagt auch darüber, dass das Trocknen dieses Jahr problematisch ist – es ist zu kalt und zu nass – dieses Problem kenne ich auch…

Zurück im Laden sind die Verhandlungen immer noch im Gange und so bekomme ich einen Kaffee zur Probe und darf dabei zuschauen, wie die Mutter, am Boden sitzend, ein Tuch webt – draußen spielen derweil die Kinder begeistert mit meinem Rad und seiner Hupe. Als die Verhandlungen mit dem Koreaner fertig sind, kaufe ich ein paar Päckchen Kaffee als Geschenk für zu Hause und fahre die 10 Kilometer durch die Berge zurück nach Da Lat.

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Am Abend kocht Lucky, dessen Hostel ein echter Glücksgriff war, für seine Gäste Summerrolls. Lucky kümmert sich herzlich um seine Gäste. Er erklärt nicht nur gerne, wie man mit lokalen Verkehrsmitteln zu den Sehenswürdigkeiten kommt, es bereitet ihm auch viel Freude, seine Gäste zu verpflegen, was uns wiederum sehr zusagt (Anm. von Lulu: vor allem mir, da Florian eigentlich nichts isst 😉). So bekommen wir, obwohl die Übernachtung kaum etwas kostet, jeden Tag ein Frühstück und beinahe jeden Abend bekocht Lucky seine Gäste oder geht mit uns in eine der Straßenküchen essen. Auch mit seinen beiden Hunden, die Luisa Lucky & Lucky tauft, freunden wir uns sofort an – bei ihnen können wir uns sicher sein, dass sie nur auf dem Tisch landen, wenn sie mal wieder selbst auf diesen klettern.

Am nächsten Tag scheint tatsächlich die Sonne und es sind kaum Wolken am Himmel zu sehen. Wir nutzen dies und fahren mit dem öffentlichen Bus zu den 30 Kilometer entfernten Elephant Falls. Schon die Fahrt durch die nun von der Sonne angestrahlte Gebirgslandschaft, vorbei an grünen Kaffeeplantagen und blühenden Feldern mit Sonnenblumen, ist sehenswert, doch uns erwartet ein absoluter Höhepunkt unserer gemeinsamen Reise.

Die Elephant Falls sind nach einer Gesteinsformation, die einem Elefant ähneln soll, benannt – Luisa meint den Elefanten in einem Felsen zu erkennen, mir fehlt die Phantasie dafür. Der weiße Wasserfall, der von grünen Palmen und Bäumen umgeben ist, ist schon eindrucksvoll, der steile Abstieg über die in die Felsen gehauenen, engen Stufen zum Fuß des Wasserfalls ein Erlebnis, aber der Höhepunkt verbirgt sich hinter einer Felsspalte. Wenn man durch diese, über kräftige, sich am Fels festklammernde Wurzeln hinweg, hindurchsteigt gelangt man in einen Raum hinter dem Wasserfall! Die Atmosphäre hier ist einmalig – vor allem, als wir, nachdem wir am Fuß des Wasserfalls waren, ein zweites Mal in den Raum kommen und beinahe alleine sind. Das Wasser wirbelt um uns herum, der Wasserfall rauscht über unseren Köpfen und das Licht spielt mit dem verwirbelten Wasser – ein unvergleichliches Erlebnis.

Beim Mittagessen lassen wir uns dann wieder von der Sonne trocknen. Nach der Rückfahrt mit einem Busfahrer,der sich offensichtlich in das Geräusch seiner Hupe verliebt hat, kaufen wir letzte Geschenke, die mir Luisa für ihre Freunde mitgibt, essen mit Lucky in einem Straßenrestaurant leckeren breiigen Reis mit Hähnchen und ziehen noch ein bisschen durch die am Samstagabend belebte Stadt.

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Das Wetter scheint sich zu stabilisieren, wobei die Bewohner Da Lats sich auch noch bei 17 Grad in ihren Daunenjacken verkriechen und frierend durch die Straßen laufen. Uns, in unseren kurzen Hosen, werfen sie nur verwunderte Blicke zu. Nach dem Erlebnis am Tag zuvor beschließen wir, den zweiten Wasserfall in der Nähe Da Lats  – die Datanla Wasserfälle – zu besuchen. Diese sind deutlich touristischer. Hier werden Canyoning-Touren den Wasserfall hinab angeboten, wofür wir aber leider schon zu spät sind, und es gibt einen Kletterpark. Die Wasserfälle hinunter kann man auch über eine Sommerrodelbahn, ein Cable Car und einen Aufzug gelangen. Da uns die Schlange für die Rodelbahn zu lang ist, laufen wir die Wasserfälle runter, schauen der letzten Frau der Canyoning-Gruppe neidisch beim Abseilen durch den Wasserfall zu und fahren mit dem Cable Car wieder hinauf.

In Da Lat zurück machen wir noch einen Abstecher zum Crazy House. Man kann hier über kleine Brücke und Gänge durch und über das surrealistische Hotel laufen, das mit seinen organischen Strukturen an Werke von Dali erinnert. Eine Nacht in einem der Zimmer der Hotels, wäre sicherlich auch spannend, aber dort gibt es sicherlich keinen Lucky.

Am Abend – es ist Silvester – essen wir Da Lat Pizza auf der Straße. Auf einem Reispapierblatt, das über Holzkohle gegrill wird, werden nach und nach ein Ei, Kräuter, Frischkäse, Chili und Wurst verteilt. Das Ganze wird abschließend mit Mayo und Chilisoße gewürzt. Was sich nach einer sehr wilden Kombination anhört, schmeckt tatsächlich richtig lecker. Nachdem wir uns die Pizza haben schmecken lassen gehen wir in die 100 Roof Bar, die an das Crazy House erinnert. Durch das Haus führt ein Irrgarten an engen Treppen und Gängen, teilweise kann man durch Löcher in andere Gänge klettern – mit Luisa und ihrem Orientierungssinn muss ich mir aber keine Sorgen machen, hier nicht mehr hinaus zu finden.

Nach einem Gin Tonic kommt Luisa noch eine Idee – die Haare sollen ab. Wir suchen also einen Friseur, der noch geöffnet hat, und werden tatsächlich nach 50 Metern fündig. Natürlich ist Luisa die Hauptattraktion und alle Mitarbeiter sammeln sich um sie und schauen zu, wie die seit sieben Monaten gewachsene Mähne sich langsam auf dem Boden verteilt. Mit neuer Frisur geht es wieder in die Bar zurück. Dass heute Silvester ist, scheint dort aber niemanden zu interessieren, und wir werden noch vor 12 Uhr vor die Tür gebeten.

In Vietnam feiert man das neue Jahr wie in China nach dem Mondkalender, ein großes Feuerwerk hatte ich also nicht erwartet, aber dass die Bar in der sich einige Touristen versammelt hatten, schon vor 12 schließt auch nicht. Wir gehen also zurück ins Hostel und kurz nach 12 liege ich im Bett. Am nächsten Morgen wache ich um sechs Uhr auf, als das neue Jahr gerade in Deutschland beginnt und mein Handy nicht mehr aufhört zu vibrieren.

An Neujahr trennen sich unsere Wege. Luisa fährt am Abend mit dem Bus wieder zurück nach Hoi An zu Anton und ich fahre die letzten 300 Kilometer mit dem Rad hinunter nach Saigon. Doch zuerst lädt uns Lucky noch zu einem typischen Da Lat Frühstück ein. In kleinen Schälchen wird etwas Teig und ein Ei gegeben und das ganze auf einem Holzkohlegrill gebacken. Das Gebäck wird mit einem würzigen Dip gegessen – lecker und sicherlich keine schlechte Grundlage fürs Radfahren. Luisa und ich trinken noch einen Tee, ich packe meine Sachen und schnalle sie aufs Rad und wir essen noch ein gemeinsames letztes Mittagsmahl, bei dem wir nochmal über unsere gemeinsame Reise reden. Danach fällt der Abschied schwer, doch ich muss los, denn ich will in drei Tagen in Saigon sein. Luisa gibt mir noch ein Care Paket mit, da sie hat wohl Angst hat, dass ich allein verhungere. Dann rolle ich langsam los.

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This entry was posted in Vietnam.
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