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Kapitel XLII: Von Horahora nach Napier

Ich bin wieder allein unterwegs. Waehrend Franzi und Dana nach Auckland fahren, um zurueck nach Dresden zu fliegen, fahre ich weiter nach Taupo, Rotorua, Gisbone, Napier. Waehrend die gruenen Landschaften meditierend auf mich wirken, sorgen die Zeltplaetze fuer naechtlichen Frust. 

Bilder aus Neuseeland: Horahora bis Takaka Hill

Mangakino. Ich schaue nicht zurück. Dieses Mal nicht. Ich muss nicht mehr zurückschauen. Das Heimweh ist irgendwo zwischen Japan und Singapur in einer Nudelsuppe verschwunden. Ich könnte mir im Moment nicht vorstellen, woanders als unterwegs  zu sein.

Mit halbplatten Reifen und ueberquellenden Taschen fahre ich über eine verlassene Straße nach Mangakino. Obwohl es sich nicht so anfühlt, strample ich fast 1000 Höhenmeter. Berge sind keine zu sehen, doch die Straße führt quer über jeden Hügel hinüber, der ihr im Weg ist. Die Briten waren’s… Was ging bloß in deren Köpfen vor, als sie die Straßen in Neuseeland anlegten.

Zelten, kochen, schlafen. Ich uebernachte auf einem ausgezeichneten Wildzeltplatz. Voellig legal. Toilette, Wasser, Café – alles da. Campervans lassen die Nacht zum Tag werden, ich wuensche mich in den Dschungel zurueck, an die Straende Asiens. Die Stimmen der Tiere, das Rausche der Meere wiegen mich leichter in den Schlaf als das ruecksichtlose Gekraechze der alkoholisierten Camper.

Als ich am naechsten Morgen aus meinem Schlafzimmer krieche, schlaeft der Zeltplatz noch. Eine Bettdecke aus Nebel liegt auf dem spiegelnden See, die aufgehende Sonne bahnt sich ihren Weg durch die lichter werdenden Wassertropfen. Ein magischer Moment.

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Bevor ich nach Taupo aufbreche, treffe ich alte Bekannte wieder. Wer erinnert sich noch an das Paerchen, das ich vom Campervan-Parkplatz vertrieben habe, als ich kurz davor war, in den falschen Campervan einzusteigen? Richtig. Die zwei haben es sich einen Katzensprung von mir entfernt gemuetlich gemacht. Mit Fahrrad und Zelt erkennen sie mich zum Glueck nicht wieder. Ich sie dagegen schon. Ich starre mal wieder und wuenschte mir, Dana und Franzi waeren noch bei mir, um mit ihnen gemeinsam darueber zu lachen. Ich muss mich mit einer Nachricht an die zwei zufrieden gebe.

Noch mehr Hügel stellen sich auf meinem Weg nach Taupo in die Quere. Flach ist ein Wort, das im Wortschatz der Neuseeländer nicht auftaucht. Doch ich habe es nicht eilig. Ich geniesse die gruenen Landschaften, die fluechtenden Schafe und neugierig blickenden Kuehe, als ein Neuseelaender mich anhaelt und mir eine Limonade in die Hand drueckt. Cheers, mate!

Die Akkus meiner elektronischen Geraete haben derweil den Geist aufegegeben. Kann ja niemand wissen, dass die Kiwis bei den Steckdosen aus der Reihe tanzen muessen, hatte eigentlich auf britische Stecker gesetzt. In Taupo kaufe ich einen Adapter, setze mich in die oeffentliche Bibliothek und fange an zu laden, als der Adapter 10 Minuten spaeter den Geist aufgibt. Umtauschen ist kein Problem, doch die Bibliothek ist mittlerweile geschlossen, es ist Samstag.

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Auf der Reid’s Park Farm übernachte ich, und wuensche mich einmal mehr zurueck nach Suedostasien. Diesmal liege ich bis 5 Uhr morgens wach und habe Tränen der Wut in meinen Augen: Irgendwelche jungen Menschen denken, dass ein öffentlicher Zeltplatz der richtige Ort für eine Freiluft-Elektro-Party ist. Die Ruecksichtlosigkeit einiger Leute ist wirklich nicht zu fassen.

Als der Fahrradladen am nächsten Tag 3 Dollar für einmal Aufpumpen und eine Schraube haben will, ist das Fass kurz vorm Ueberlaufen. Doch nach einem Bad in der heissen Quelle des oeffentlichen Parks geht’s wieder. Durchatmen. Die Verantwortlichen der naechtlichen Elektroparty sind am Nachmittag verschwunden, die Bibliothek am Montag wieder geoeffnet. Der Strom fliesst und ich verschicke vier Anfragen an Warmshowers-Gastgeber in Napier. Nach 5 Minuten sagt der erste zu, 30 Minuten spaeter der zweite, am Abend habe ich 3 Zusagen. Verflucht – wo soll ich denn jetzt schlafen. Luxusprobleme.

Erst einmal muss ich es nach Napier schaffen – und das stellt sich als schwieriger heraus als geplant. Durch Rotorua hindurch geht es zurueck an die Nordkueste, weiter nach Gisbone zur Ostkueste. Ein Sturm überrascht mich mitten in den Bergen. Es regnet den ganzen Tag. Erst als ich mein Zelt aufschlage, scheint sich das Wetter zu beruhigen. Falsch gedacht.

Ich schlafe gerade zwei Stunden, als der Regen wieder auf die Zeltplane trommelt. Es hört sich an wie Hagel. Ich schaue hinaus. Alles ist weiß. Ein Schneesturm. Im April. Ich werd’ verrueckt, verdrücke mich ich meinen doppelten Schlafsack. Zu zweit halten mich die synthetischen Federn warm. Als ich am naechsten Morgen aus dem Zelt krieche, kommt ein Jaeger um die Ecke, von Kopf bis Fuss in Tarnkleidung, im Gesicht schwarz angemalt, das Gewehr auf dem Ruecken. Er will wissen, ob noch bleibe, oder aufbreche – nur damit er weiss, in welche Richtung er das Gewehr richten muss.

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Ich fahre weiter. Es schneit immer noch. 0 Grad. Plusminus. Meine Beine sind Eiszapfen, meine Hände eingeschlafen, die Akkus meiner elektronischen Geräte streiken bei diesen Temperaturen. 80 Kilometer quäle ich mich über 1000 Höhenmeter, bevor ich mein Zelt illegal auf einem Rastplatz aufschlage, gut versteckt unter einigen Baeumen. Ich schlafe 13 Stunden, bevor mich die aufgehende Sonne weckt. Der Wind dreht sich, die Temperaturen schiessen in die Hoehe. Ich schwitze unter der langen Hose, lasse mir den warmen Wind am Strand um die Ohren wehen.

Der Tutira See ist mein letzter Halt vor Napier. Vor dem Baden im See wird gewarnt. Verschmutzt, vergiftet, vom Abfall der Milchfarmen verseucht. Bevor ich mein Zelt einrichte, will ich die Gelegenheit nutzen, es zu impraegnieren. Dabei verabschiedet sich meine Zeltstange, die bereits seit China laediert ist, endgueltig. Ich schlafe nur noch unter einer Zeltstange. Nicht optimal. Aber ich habe ein Dach ueber dem Kopf und bin geschuetzt vor den aufdringlichen Sandflies, deren Bisse einem bis zu 2 Wochen den Schlaf rauben koennen. Jucken, bis das Blut kommt. Ich reisse mich zusammen.

Am schwarzen Strand entlang, ueber einen der wenigen Fahrradwege geht es am naechsten Tag nach Napier zu Brian. Der Rentner wohnt auf dem Dach eines Kalkstein-Felsens, der vor 80 Jahren vom Meer umgeben war. Doch ein schweres Erdbeben hat die Region in den 30er-Jahren erschuettert und das Land in der Hawkes Bay um mehrere Meter angehoben. Heute ist die Kueste dicht besiedelt und ganz oben thront Brian, in seinem zweistoeckigen Luxuspalast.

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