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Luisa Rische

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Tumultuous first day in Chile’s capital: After arriving in Santiago I suddenly find myself in the middle of a protest escalation. Stones and Molotov cocktails are flying while the police answers with water cannons and irritant gas which feels like chili in your eyes. It’s the last moments of the national teachers’ strike to support public education. The protesters wear black as a symbol which stands for the death of public education. It’s the third day of the strike and the second that ends violently. . It was an awkward moment for me to be honest. Even after two years away from the newspaper I couldn’t stop but taking photos, interviewing people, get into the middle of the protest. It must have been a bizarre picture with my loaded bike. I almost got out my diary to take notes; in my mind I was already rushing into the office to type the article. . Since I’m constantly writing about my journey I never really missed my job - until today. Today I only wanted to be one thing: a newspaper journalist. . . . #santiagodechile #santiago #chile #protest #teacherstrike #travel #bikewander #discoverearth #ontheroad #solotravel #instatravel #instagood #potd
Time for a long overdue break. After surviving snow storms, challenging headwinds and freezing temperatures in Patagonia I’ve returned to my amazing friends of @antuquelen_lodge_cabanas, bike-friendly!, at Lago Llanquihue. . . . #patagonia #chile #adventure #travel #explore #bikewander #discoverearth #travelphotography #ontheroad #outdoor #solotravel #intothewild #madeingermany #instatravel #instagood #potd

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Kapitel LIII: Roadtrip in die Atacama, Teil 1

Alles neu macht der November: neuer Kontinent, neues Land, neue Gefährten, neues Fahrzeug. Statt im Fahrradsattel reise ich zweieinhalb Wochen lang im Auto. Nicht allein. Mit meinen besten Freunden, die um die halbe Welt geflogen sind, um mich zu besuchen.

Bilder aus Chile

Sand zu Staub zu Kalk. Im gleißenden Licht der tödlichen Sonne. Tief in der Surrealität der Wüste. Menschenfeindlich. Lebensfeindlich. So scheint es zumindest von hinter dem geschlossen Fenster eines klimatisierten Autos. Wer lebt denn hier? fragen wir uns. Warum leben Menschen hier? fragen wir uns auch. Wir kennen die Antwort: Rohstoffe, Kupfer und Lithium, Exportgüter, Geld. Und doch… Die Atacama ist die trockenste Wüste der Welt (außerhalb der Polargebiete!). Bei Wikipedia heißt, es gibt Regionen, in denen jahrzehntelang kein Regen mehr verzeichnet wurde. Nur alle paar Jahre, wenn El Niño den Humboldtstrom durcheinanderbringt, und Regenschwämme über die rissige, sich nach Feuchtigkeit verzehrende Wüstenerde ziehen, erblüht die trockenste Wüste der Welt.

El Niño ist an diesem Tag weit entfernt. Der Sand der Atacama ist weiß-gräulich, steinig und felsig. Es gibt mehr Vulkane als Dünen, mehr Salzseen als Oasen – weit entfernt von dem klischeehaften Bild, das ich von einer Wüste habe: Sanddünen, die sich wie Wellen durch einen Ozean aus Sand bewegen. Stattdessen sind wir auf Tatooine gelandet. Ein dunstiger Vorhang aus Sand, Staub und Licht hängt vor den Anden, die wie ein Schatten im Hintergrund flimmern. Nur der Himmel erstrahlt in einem selten intensiven blau. Wäre es ein Foto, würde man denken, da hat jemand den Sättigungsregler zu weit hochgedreht.

Rote Geländenwagen passieren uns. Die Fahrzeuge der Minen sind alle in rot. Rot sei in der Wüste gut zu sehen. Eine schwarze Pipeline folgt der Straße, sowie einspurige Schienen. Lastzüge aus den Minen kommen immer mal wieder vorbei, die bunten Container sind unterm Grau der Wüste kaum zu erkennen. Verlassene Bergbausiedlungen, die wie jahrtausende alte Ruinen wirken, ziehen an uns genauso vorbei wie Windhosen, die sich wie ein wirbelnder Strick von der Erde in den Himmel erheben, um nur noch mehr Staub aufzuwirbeln. „Dinge, die ich von meiner Bucketlist streichen kann: durch die Wüste fahren“, sagt Anna, während die Klimaanlage vergeblich gegen die Mittagshitze kämpft.

Eine Woche zuvor…

Santiago de Chile. Ich bin seit 30 Stunden auf den Beinen – und der Tag in Chile hat gerade erst begonnen. Während die Menschen in Sydney tief und fest schlafen, verdauen die Chilenen gerade ihr Frühstück. Ich hole Anton am Gepäckband ab. Diesmal habe ich ihn nicht geputzt, doch am Zoll gibt es keine Probleme – auch weil ich die Rückstände der australischen Erde an meinen Reifen brav deklariert habe. Etwas, das ich auf dieser Reise gelernt habe: Sofern alles deklariert ist, im Zweifelsfall mehr als weniger, schauen die Beamten nicht so genau hin. Einmal durch den Röntgen. Das war’s. Während die Reisenden in der Schlange ohne zu deklarierende Güter an den vierbeinigen Spürnasen vorbei müssen.

Jorge holt mich vom Flughafen ab, ein chilenischer Freund, den ich in meiner Jugend als Arbeitskollegen meines Stiefvaters kennengelernt habe, und den ich vor einigen Jahren bereits in Washington D.C. besucht habe, als er mit seiner Familie zwei Jahre im Land der unbegrenzten Möglichkeiten lebte – die Chilenen betrachten die USA in einem anderen Licht als wir Deutschen. Sohn Joaquín war damals drei Jahre alt. Als ich mit Jorge zu Hause in Quilpué, im Norden Viña del Mars, ankomme, kommt mir ein schlaksiger, Akne-geplagter, schweigend grinsender 15-Jähriger entgegen, der mich um gut einen Kopf überragt.

Breite Straßen durch grüne Täler, links der Ozean, rechts die Anden. Ich komme aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Chile überwältig mich bereits auf den ersten Blick, vor allem all die gigantischen Berge überall, und der nie ruhende pazifische Ozean. Ich kann es kaum erwarten, mich aufs Rad zu setzen, und dieses außergewöhnliche Land zu entdecken, das sich von Norden bis Süden 4300 Kilometer am Pazifik entlangstreckt und eine einzigartige Vielfalt an Klima- und Vegetationszonen beheimatet: von der trockensten Wüste bis zur schönste Region dieser Welt, Patagonien. Ich kann es kaum erwarten, einige der höchsten Pässe dieser Erde zu bezwingen.

Doch erst einmal kommen Cami, Jorges Frau, und Tochter Emilia am Abend von einem Rollschuh-Tanz-Wettbewerb nach Hause. Dritter Platz für die Elfjährige, die damals in Washington noch gar nicht geboren war. Sie kam kurz nach meinem Besuch auf die Welt, immer noch in Washington, und ist somit US-Bürgerin. Cami hofft, dass Emilia ihre Staatsbürgerschaft einst nutzen wird, vielleicht in den USA studiert, und ihre Eltern nachholt. Bis dahin sei Trump vielleicht schon wieder aus dem Weißen Haus verschwunden. Wer weiß…

Ich bleibe zwei Tage bei Familia Tapia, schlafe im Hochbett der Tochter, besuche Santiago und werde von Cami mit chilenischem Essen rund um die Uhr versorgt. Charquican, Completos, Fajitas, Hallullas, Paté. Die erste Nacht schlafe ich nach fast 40 Stunden auf den Beinen tief und fest. In der zweiten Nacht holt mich die australische Zeitzone ein. Um zwei Uhr bin ich wach. So richtig. Einschlafen klappt nicht mehr. Ich wache mit geschlossenen Augen und bin erleichtert, als die Sonne endlich aufgeht. Die nächste Nacht schlafe ich nicht nur durch, sondern liege 12 Stunden im Koma, erst um zehn Uhr holen mich die kläffenden Hunde aus meinem traumlosen Schlaf.

Dann ist der große Tag – und es ist ein großer Tag für mich. Anna und Freund Lukas sind bereits in Santiago, an diesem Tag fahren sie weiter nach Quilpué. Ich fiebere diesem Tag sozusagen seit Beginn meiner Reise entgegen, sowie ich in Neuseeland bereits der Ankunft Danas und Franzis entgegenfieberte. Wer jetzt erst eingeschaltet hat, mir fiel der Abschied von meinen Freunden so unendlich schwer, dass ich monatelang nicht loslassen konnte. Heute ist das Freundesweh in den Freuden und Freunden dieser Reise verschwunden – sonst wäre ich nicht seit 18 Monaten unterwegs -, doch meine Freunde sind immer ganz nah mit dabei.

Ich warte. Zusammen mit Cami im Bett. Die vier Hunde liegen zwischen uns. Es ist Nachmittag, als Jorge aus Viña zurückkommt. Wo meine Freunde seien, fragt er. Sie kommen, sage ich. Sie sind hier, sagt er. Was? Wo? Jetzt? Hier? Ja, draußen. Ich springe auf. Jorge schaut bereits aus der Tür heraus. Wrong house, ruft er ihnen entgegen. Ich schlüpfe unter seinen Armen hindurch. Da stehen stehen sie. Ganz in Echt, so richtig real, zum Anfassen, meine beste Freundin, die geilsten Jahre, Gintonic, Sashimi, Tretboot, Neujahrsskispringen, Tocotronic undundund. Wer hart arbeiten kann, kann auch hart feiern. Das war unser Motto drei Jahre lang. Ich mache das Tor auf. Lukas lässt Anna vor. Wir fallen uns in die Arme und lassen uns erst einmal nicht mehr los.

Es gibt Completos zum Abendbrot. Der ganze Hotdog. Mit Tomaten und Sauerkraut und Palta. Dazu Pisco Sour. Am nächsten Morgen, nach einem Waffelfrühstück mit Dulce Leche, brechen wir auf. Über La Serena fahren wir ins Valle de Elqui zu den Sternen. Aus den Boxen dröhnen die Killers, Train und Oasis, Queen und die Beatles. Wir beobachten die Sterne, begeben uns auf die Spuren Gabriela Mistrals und des Mistral Piscos, genießen ein Klo mit Aussicht, entspannen im schönsten Hostel Chiles in Pisco de Elqui und folgen den Alien-Verschwörern und New Age-Yogis zum Monte Cancana. Ufos fliegen an uns vorbei, bunt auf grauen Steinfelsen. Der Monte Cancana ist mit dem höchsten Ferritin-Anteil der Welt ein gigantischer Magnet, und der Energieknoten der Erde. Auch wir können fühlen, wie die spirituellen Kräfte durch uns hindurchfließen – oder ist es vielleicht doch der Pisco?

Es geht nach Bahia Inglesa. Über die Panamericana, deren Verlauf in den weiten Tälern, die von Tag zu Tag weniger Vegetation beherbergen, über viele Kilometer hinweg zu sehen ist. Wie eine Kobra schlängelt sich der transamerikanische Highway durch die Wüstenlandschaft an den Ausläufern der Anden vorbei. Wir schlafen bei Pedro. Eigentlich heißt er Patricio, doch das erfahren wir erst eine Woche später. So lange nennen wir ihn Pedro. Am Morgen gibt es das beste Frühstück der Welt: Schinken und Käse, Avocado und Tomaten, Gurke und Blumen. Dazu Marmelade, Rührei, Bananen, Orangen und frische Brötchen. Gestärkt starten wir zum Zuckerhutnationalpark, und weiter bis nach Taltal.

Lukas fährt, Anna navigiert. Die Hospederia, in der wir für die Nacht reserviert haben, liegt vor uns: ein verfallenes Eckhaus, dessen ausgeblichenes Gelb von der Fassade bröselt, Holzverschläge hängen vor den zertrümmerten Fensterscheiben. Se Vende. Zu Verkaufen. Steht es blau auf weiß auf einem Schild. Ich hoffe, das ist nicht unseres, spricht Anna aus, was wir alle denken. Es ist unseres. Doch das Eckhaus zeigt sich auf der anderen Seite von einer anderen Seite. Keine Holzverschläge, stattdessen ein großes Schild: Hospederia.

Nach mehrmaligem Klingeln holen wir die Besitzerin aus ihrer Siesta. Mit verschlafenen Augen zeigt sie uns alles, erzählt uns was von Party in der Nacht oder so. Wir verstehen nur die Hälfte. Doch eine Party gibt es tatsächlich in der Nacht. Irgendwie. Menschen indigener Stämme tanzen vor der katholischen Kirche um die auf einem fahrbaren Holzpodest stehende Mutter Gottes herum, von ganz Klein bis Groß, dazu wird getrommelt. In der Nacht ist der Lärm in der Hospederia nicht weniger ohrenbetäubend. Kurz nach Mitternacht fallen mehr Gäste ins Haus ein, ihr munteres Geschwätz, gegen die Tür schlagende Koffer, und unter der Last quietschende und knarzende Holzbretter fügen sich harmonisch in den Chor aus Hunden, Katzen, Tauben und Hühnern ein.

Am nächsten Tab geht es tatsächlich in die Wüste. Lukas fährt, während der Staub sich auf der Motorhaube festsetzt. Ein Pinguin, so groß wie ein kleiner Baum, fliegt wie ein Gespenst an uns vorbei. Die Menschen wirken nicht weniger wie aus einem dystopischen Traum. Wie Inuits verbergen sie ihre Haut vor der Sonne: langärmelige Pullover, verstaubte Hosen und schwere Boots, Handschuhe und Mundschutz, winddichte Sonnenbrillen gegen das gleißende Licht, eine Schirmmütze mit herunterhängendem Nackenschutz. Nur die Nasen lugen noch hervor.

Wir sind in der Welt von Mad Max gelandet. Die Vororte Antofagastas. Aus einem dunklen Flimmern erwachsen immer höhere Türme. Schwarze, manchmal durch den Kalk weiße Stahlskelette erheben sich aus einem Wirrwarr aus Stangen und Verschraubungen, Brücken und Leitern, Hallen und Maschinen. Wir halten an der Tankstelle. Niemand steigt aus. Auf Autos, Zapfsäulen, Hunden und Menschen liegt eine Staubschicht. Die grüne Palme vor uns ist graubraun, das grün ist nicht einmal zu erahnen. Lukas traut sich als erster. Die Tür schwingt auf, er schwingt ein Bein aus dem Auto, beugt sich vor, und ist genauso schnell wieder zurück im Auto. „Sand, pfui, aehh.“ Hust, Räusper. „Sand, Sand, in den Augen, überall.“ Anna lacht und erklärt: „Dinge, die nie auf die Bucket List gemusst hätten: durch die Wüste fahren.“

One comment on “Über die Panamericana in die trockenste Wüste der Welt

  1. maneu1 sagt:

    Hallo Luisa,

    tolle Tour! Ich bin mit dem Fahrrad zum Nordkap und zurück. Kreuz und quer durch das wundervolle, wilde Norwegen. Ein einmaliges Erlebnis, wenn auch weitaus bescheidenerer Dimension im Vergleich zu dem was du tust. Ich werde es in hoffentlich nicht allzu ferner Zukunft wiederholen. Nicht so einfach, wenn man selbständig ist.

    Ich wünsche Dir allzeit gutes Wetter, wenig Platten und stetigen Rückenwind! Obwohl… das wäre fast zu einfach 🙂

    Grüße aus dem fernen Deutschland,

    Marcus Neulen

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