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Luisa Rische

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Tumultuous first day in Chile’s capital: After arriving in Santiago I suddenly find myself in the middle of a protest escalation. Stones and Molotov cocktails are flying while the police answers with water cannons and irritant gas which feels like chili in your eyes. It’s the last moments of the national teachers’ strike to support public education. The protesters wear black as a symbol which stands for the death of public education. It’s the third day of the strike and the second that ends violently. . It was an awkward moment for me to be honest. Even after two years away from the newspaper I couldn’t stop but taking photos, interviewing people, get into the middle of the protest. It must have been a bizarre picture with my loaded bike. I almost got out my diary to take notes; in my mind I was already rushing into the office to type the article. . Since I’m constantly writing about my journey I never really missed my job - until today. Today I only wanted to be one thing: a newspaper journalist. . . . #santiagodechile #santiago #chile #protest #teacherstrike #travel #bikewander #discoverearth #ontheroad #solotravel #instatravel #instagood #potd
Time for a long overdue break. After surviving snow storms, challenging headwinds and freezing temperatures in Patagonia I’ve returned to my amazing friends of @antuquelen_lodge_cabanas, bike-friendly!, at Lago Llanquihue. . . . #patagonia #chile #adventure #travel #explore #bikewander #discoverearth #travelphotography #ontheroad #outdoor #solotravel #intothewild #madeingermany #instatravel #instagood #potd

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Kapitel LVII: Von Malargüe nach San Martin de los Andes

Nach überstandener Krankheit finde ich nur langsam zu alter Stärke zurück. Aber Fahrradfahren ist für mich die beste Therapie. Auf der Ruta 40 lerne ich, wieder allein, nicht nur Dutzende Radler kennen, die alle in die andere Richtung fahren, sondern begegne vielen Menschen, die mich in ihre Obhut nehmen, mir einen sicheren Schlafplatz geben, mit Essen und Gesprächen versorgen.

Hol‘ dir die Welt in dein Zuhause und unterstütze mich!

Während ich mich im Hostel gesund schlafe, fährt Florian weiter, weil es uns schwer fällt, einen gemeinsamen Rhythmus zu finden, weil ihm nur ein Jahr bleibt, bevor er im November nach Deutschland zurückkehren muss, und er es bis nach Peru schaffen möchte. Ich brauche Zeit, um wieder gesund zu werden, Kräfte zu sammeln; ich brauche Zeit, um diesen Kontinent zu entdecken. Vielen Dank, Florian, für deine Unterstützung und dass du eine Zeit lang mein Gefährte warst. Eine gute Reise, mit vielen Abenteuern, außergewöhnlichen Aussichten, und wunderbaren Begegnungen. Vielleicht sehen wir uns noch einmal wieder. So viele Wege gibt es in Patagonien nicht.

Nach fünf Tagen im Hostel mit deutscher Hühner-Tütensuppe und einem Ausflug zum Friseur geht es mir wieder so gut, dass ich weiterfahre. Mit einer veränderten Route. Florian und ich wollten einige abgelegene Trails in Chile fahren, doch weil ich meinem Körper so weit noch nicht wieder vertraue, und mir einfach die Kraft fehlt, mich über Schotterwege und durch Flüsse zu kämpfen, entscheide ich mich, so lange wie nötig so nahe wie möglich in der Zivilisation zu bleiben, damit Hilfe nicht weit ist, wenn ich Hilfe brauche. Ich folge der Ruta 40 nach Bariloche.

Bereits die ersten 15 Kilometer sind ereignisreich. Erst einmal schwitze ich endlich wieder, hört sich bescheuert an, macht aber einen riesigen Unterschied. Vor Malargüe ist das meinem Körper nicht gelungen ist, was die trockene Hitze um die 34 Grad nahezu unerträglich für mich gemacht hat. Zweitens habe ich nach 15 Kilometern meinen ersten Platten – und der Ersatz-Schlauch hilft leider nicht viel weiter: Er ist zu groß. Auf dem Schlauch selbst steht keine Größe, deshalb hatte ich zweimal gefragt. Veintiseis? Si. Eher: no. Mit Jorges Schnell-Flick-Set repariere ich den alten Schlauch, fahre weiter. Die Pedalen drehen sich tatsächlich wieder leichter, alle Zahnräder greifen ineinander, die Krankheit hat aber Kraft gekostet. Nach 30 Kilometern sind die Beine leer. Ich schlage das Zelt auf.

Der Wurm ist am nächsten Tag immer noch drin, die Beine immer noch schwer. Immerhin 60 Kilometer schaffe ich auf der weitestgehend fallenden Straße, die zunächst asphaltiert ist, dann nur noch Sand, Schotter, Steine. Ich mache Pause unter einem Baum an einem Fluss. Doch die Mücken fressen mich auf, ich komme kaum zum Essen, während ich mir im Sekundentakt auf die Beine schlage. Fünf Kilometer weiter finde ich einen Unterschlupf, so groß wie eine Bushaltestelle, in dem ich mein Zelt aufschlage. Geschützt von Wind und Sonne schlafe ich den ganzen Nachmittag, stehe nur noch zum Abendessen auf. Geduld. Mein Körper braucht Zeit – das zumindest ist mein Mantra, das ich ständig in meinem Kopf wiederhole.

Der Wurm holt mich am nächsten Morgen schneller ein, als mir lieb ist. Ich habe gerade alles gepackt, das Rad gesattelt und will losfahren, als mir beim Anschieben auffällt, dass ich schon wieder einen Platten habe. Abbauen, ausbauen. Am Fluss will ich den Reifen flicken, drei Löcher, doch die Mücken lassen mich nicht in Ruhe, obwohl meine Beine bereits durchgehend rot gefleckt sind, und jucken wie verrückt. Ich fluche, schreie, werfe den Schlauch in die nächste Ecke. Mitten in der Pampa, zwischen Mücken und Staub, heiß, stürmisch, kraftlos, frustriert. Ich liege am Boden, während das Pech weiter auf mich eintritt, als sich das Blatt endlich wendet.

Fünf Wohnwagen kommen über die holprige 40 vorbeigeschlichen. Sie sind bereits vorbei, als sie wieder umdrehen und zurückkommen, um mir zu helfen. Einer nimmt mein Fahrrad auf sein Dach, zwei andere laden meine Taschen auf, im vierten Wohnwagen lande ich. Motorisiert geht es über die furchtbare Straße am Arco de Piedra vorbei ins nächste Dorf zum nächsten Fahrradladen. Ayelen und ihre Familie leben in Buenos Aires, zusammen mit ihren Freunden vom Motorhome Club reisen sie jedes Jahr zu Argentiniens Seen. In Buta Ranquil laden sie mich wieder ab, wo ich im Fahrradladen einen neuen Schlauch kaufe und einen Schlafplatz finde.

Der nächste Tag bringt mich Florian unerwartet wieder ganz nahe. Ich radle plattenlos durch bis Chos Malal und komme atemlos bei Sabrina an. Sie lebt am Rande der kleinen Stadt in der Wüste, in einem zweistöckigen Holzhaus, durch das der Wind pfeift. Als wir uns unterhalten, erfahre ich, dass erst an diesem Morgen eine Gruppe Kolumbianer und ein Deutscher ihr Haus verlassen haben, nachdem sie drei Tage auf ein Ersatzteil für eine Schaltung gewartet hatten. Der Deutsche war Florian, einen Tag voraus. Doch zu viel für mich, um die Gruppe einzuholen. Stattdessen treffe ich Xenia aus Russland, die allerdings in die andere Richtung fährt.

Alle Bilder von der Ruta 40 und Nordpatagonien

Ich nutze die Zeit und das Alleinsein, um zurück in meinen Rhythmus zu finden, gesund zu bleiben, kräftiger zu werden, meinem Körper zuzuhören. Die Sonne brennt vom glasklaren Himmel. Keine Wolke. Kein Baum. Kein Schatten. Ich verkrieche mich in hüfthohen, runden Unterführungen für all die ausgetrockneten Bäche, wenn ich eine Pause brauche, wenn ich Schatten brauche. Zwischen 14 und 16 Uhr mache ich Siesta, denn es macht keinen Sinn, in der brennenden Mittagshitze die Räder zum Rollen und mich unnötig ins Schwitzen zu bringen.

Erst mit Rückenwind, dann mit Gegenwind radle ich von Chos Malal nach Las Lajas. Ich schlafe in einem Refugio, eine Holzhütte an der Straße mit Wasserhahn, dann am Rio Agrio, wo die Einheimischen bis zum Abend der Hitze trotzen. Am nächsten Morgen treffe ich einen Niederländer, der ebenfalls seit zwei Jahren mit dem Fahrrad unterwegs ist. Er erinnert mich an Andries – der übrigens gerade durch Kenia und Tansania radelt – und erzählt mir ebenfalls von der kolumbianischen Gruppe, die wohl ebenfalls am Fluss übernachten wollte. Ein Deutscher sei aber nicht dabei gewesen.

In Zapala holt mich die Müdigkeit nach drei Tagen auf dem Rad ein. Ich versuche, geduldig zu bleiben, doch es ist frustrierend, dass ich so viel Zeit brauche, zu alter Stärke zurückzufinden. Die Tage, an denen ich täglich 100 Kilometer geradelt bin, scheinen noch weit entfernt zu sein. Doch das Alleinsein gibt mir die nötige Ruhe, einfach anzuhalten, wenn ich merke, es geht nicht mehr – ob nach 20, 30 oder 40 Kilometern; oder auch weiterzufahren, wenn der Wind mich trägt, wie an den kommenden zwei Tagen.

Zwischen Zapala und Junín de los Andes gibt es außer einer Straße und einigen Gauchos nicht viel Menschliches. Ich radle durch die Einsamkeit der Natur, über Argentiniens dürre-geplagte Hochebenen, an vertrockneten Bächen vorbei, durch staubige Landschaften und weite Täler, die in der Ferne von Bergen durchbrochen werden. Im Nichts dieser unendlichen Weite, in der die Welt, unberührt von menschlicher Hand, sich kaum verändert, drehen sich meine Gedanken um die ersten Menschen, die diese Täler durchschritten haben. Wer waren sie, wie und warum sind sie hierhergekommen und vor allem wann? Haben sie das gleiche wie ich gesehen? Haben sie die ersten Spuren für die heutige Ruta 40 hinterlassen?

Der stürmische Rückenwind trägt mich weiter zum Rio Collon Cura. Ich wollte die Nacht an diesem Fluss verbringen, doch es ist gerade einmal Mittag, zu früh um das Zelt aufzustellen. Der Anstieg bis Junín allerdings bringt mich dann ziemlich schnell an meine Grenzen und darüber hinaus. Die letzten 3 Kilometer trägt mich nur noch Wille nach oben, auf der Abfahrt suche ich mir den erstbesten Platz, um das Zelt aufzustellen, weit genug von der Straße entfernt, zwischen Büschen und Bäumen. Viel besser geht es kaum.

Zurück in die Zivilisation. In Junín fülle ich meine Taschen auf, Milchpulver, Haferflocken, Brot, Nudeln, Tomatensauce. Das Übliche. Ich habe mich daran gewöhnt. Zwischen Junín und San Martin de los Andes ist die Hölle los. Auto an Auto, Bus an Lastwagen. Hochsaison. Ich sehe das erste Patagonien-Schild, doch die Freude versackt in Abgasen und Hupen. Je näher ich der Stadt komme, desto mehr habe ich das Gefühl in einem deutschen Ski-Ort gelandet zu sein. Die Architektur, die Sprache, die Sportläden, die Cafés. Es erinnert mich an meine zweite Reise über die Alpen, durch Garmisch-Partenkirchen, Innsbruck und Cortina d‘Ampezzo – und auf einmal freue ich mich riesig darauf, irgendwann wieder durch die Alpen zu radeln.

Ich halte an der Tankstelle, ich brauche Luft. Doch statt Luft aufzufüllen, kommt nur Luft heraus. Ich frage nach einem Fahrradladen, am Ende des Dorfes soll einer sein. Doch bereits nach 200 Metern sehe ich ein Haufen Räder vor einem Haus stehen. Es scheint ein Fahrradverleih zu sein, doch auch die haben Pumpen. Und ich bekomme nicht nur Luft, sondern lerne einen deutschen Radler kennen, der in San Martin lebt und mich einlädt, in seinem Garten mein Zelt aufzuschlagen. Am Abend gibt es ein großes Grillfest mit der halben Familie. Ich esse so viel Fleisch, dass irgendwann nichts mehr reinpasst. Und bleibe noch einen Tag, bevor es auf den berühmten Camino de los Siete Lagos geht.

Einen Blick zurück: Heute vor einem Jahr

Und so geht’s weiter…

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