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Luisa Rische

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Tumultuous first day in Chile’s capital: After arriving in Santiago I suddenly find myself in the middle of a protest escalation. Stones and Molotov cocktails are flying while the police answers with water cannons and irritant gas which feels like chili in your eyes. It’s the last moments of the national teachers’ strike to support public education. The protesters wear black as a symbol which stands for the death of public education. It’s the third day of the strike and the second that ends violently. . It was an awkward moment for me to be honest. Even after two years away from the newspaper I couldn’t stop but taking photos, interviewing people, get into the middle of the protest. It must have been a bizarre picture with my loaded bike. I almost got out my diary to take notes; in my mind I was already rushing into the office to type the article. . Since I’m constantly writing about my journey I never really missed my job - until today. Today I only wanted to be one thing: a newspaper journalist. . . . #santiagodechile #santiago #chile #protest #teacherstrike #travel #bikewander #discoverearth #ontheroad #solotravel #instatravel #instagood #potd
Time for a long overdue break. After surviving snow storms, challenging headwinds and freezing temperatures in Patagonia I’ve returned to my amazing friends of @antuquelen_lodge_cabanas, bike-friendly!, at Lago Llanquihue. . . . #patagonia #chile #adventure #travel #explore #bikewander #discoverearth #travelphotography #ontheroad #outdoor #solotravel #intothewild #madeingermany #instatravel #instagood #potd

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Kapitel LXII: Von Ushuaia nach Punta Arenas

Die Allianz aus stürmischem Gegenwind und winterlicher Kälte sorgt für einige der schwierigsten Momente auf dieser Reise. Mit hochgehaltenem Daumen bitte ich um Hilfe, doch niemand will halten. Weil Ostern ist? Ich bin nicht die einzige, die von den Feiertagen überrascht wird, und sich durch eiskalte Nächte friert.

Alle Bilder aus Süd-Patagonien

Mit dem Fahrrad zu reisen bedeutet grundsätzlich nicht, seinen Körper jeden Tag an seine Grenzen zu bringen. Es ist kein Hochseilakt. Es ist ein Spaziergang auf einer Mauer, das Gleichgewicht nicht schwer zu halten. Die Belastung ist natürlich grenzwertig für einen Menschen, der sein Leben lang in einem geschützten Raum gelebt hat. Deshalb kann ich nach Erkältung und Lebensmittelvergiftung nicht gleich auf das Fahrrad zurück. Ich erhole mich weiter in dem zweistöckigen Holzhaus von Maria, im besten Viertel der Stadt, während die Meeresbiologie-Doktorin zwischen Uni, Yoga und Protesten gegen das Anlegen von Lachszuchtstationen hin- und herwirbelt.

Nach einer Woche Pause geht es dann weiter, oder besser zurück, denn ich bin ja am Ende der Welt. Ich habe mir eine Gut-Wetter-Lücke ausgesucht, radle bei Sonnenschein zur Seehütte. Meine Füße bleiben das größte Problem, vor allem der rechte Fuß ist nur tief in der Nacht durchblutet, tagsüber ein tiefgefrorener Fruchtzwerg. Auf dem Weg zur Hütte haben die Regenfälle und der Schnee, der in der Sonne schmilzt, einen Teil der Straße ausgewaschen. So nah dran, so weit entfernt. Ich ziehe mir die Schuhe aus und steige hinunter, versinke bis zu den Oberschenkeln, die Strömung hebelt das Vorderrad aus, Lenker und Vorderradtaschen tauchen ab.

Während die bereits eisigen Füßen kaum Halt finden, hole ich den Lenker zurück, wate durch die Strömung. Am anderen Ufer – die Auswaschung ist nur einen Katzensprung breit, es ist keine reißender Heaphy-Strom, es ist einfach nur schmerzhaft kalt – bekomme ich das Rad nicht hinauf. Immer wieder drücke ich, rutsche mit den Füßen, in denen sich die Kälte weiter hochschiebt, über die spitzen Steine, die sich wie Glasscherben in die Haut drücken. Ich greife zurück, um meine Schuhe zu holen, als ich sehe, dass sich der Helm, der an meinen Hinterradtaschen befestigt ist, in einem Baum verfangen hat. Ich habe also fünf Minuten lang versucht, nicht nur das Fahrrad aus dem Fluss zu ziehen, sondern auch einen Baum.

Aufgetaut radle ich am nächsten Tag weiter zur Bäckerei, in der ich zwei Tage bleibe, zusammen mit Silvan aus Deutschland, einem Schweizer, einem Argentinier und einem Engländer. Zwei Spanier mit einem Tandem stoßen einen Tag später dazu. Zum Frühstück gibt es Pfannkuchen. Seit Ushuaia habe ich Mehl dabei, in Tolhuin kaufe ich mir eine Pfanne. In den nächsten Tagen entdecke ich das weiße Wunderpulver völlig neu. Pfannkuchen, Reibekuchen, Gemüsefrikadellen, Haferflockenbrötchen. Mehl. Warum bin ich nicht schon früher darauf gekommen? Das bringt fast so etwas wie Vielfalt in meinen Speiseplan.

Dieses Mal warte ich auf einen guten Windkorridor, der mir zumindest zwei Tage eine halbwegs entspannte Tour ermöglicht, auf den letzten Kilometern nach Rio Grande sogar anschiebt. Die Nacht zuvor schlafe ich auf der Estancia Viamonte, in einer Hütte mit Bett und Ofen, in Rio Grande schlage ich mein Zelt am Strand. 0 Grad in der Nacht. Nach der Stadt am Atlantik, auf dem Weg zur Grenze, holt mich der Gegenwind ein, bricht meinen Willen auf dem Weg nach Porvenir, sorgt für einige der schwierigsten Momente auf dieser Reisen, vor allem im Supermächte-Bündnis mit der alles durchdringenden Kälte.

Während die Kälte für eine laufende Nase sorgt, treibt mir der Wind Tränen der Verzweiflung in die Augen. Selbst das Schieben des Rads ist ein Akt puren Willens. 40 bis 50 Knoten, 75 bis 90 Stundenkilometer. 80 Knoten Böen. Was das heißt? Ich stehe und muss mich mit einem Fuß nach Hinten abfangen, um nicht umzufallen. Ich lenke um einen Stein herum und der Wind reißt meinen Lenker in die andere Richrung, sodass ich eine 180-Grad-Pirouette drehe, schnörkelloser als jeder Eiskunstläufer. Ich trinke etwas und kann nicht mehr schlucken, kann nicht mehr atmen, weil der Wind alles dicht macht. Drei Stunden für 14 Kilometer. Dann bin ich wieder in Chile.

Ich schlafe in einem verlassen Gebäude, auf der anderen Seite der Straße wachen die Carabineros. Ich bin nicht die erste, die sich in den verlassenen Räumen einrichtet, an der Wand haben Radler, Wanderer und Fahrer ihre Namen verewigt. Am nächsten Tag radle ich drei Kilometer gegen den Wind, bevor ich einsehe, dass es keinen Sinn hat. Mehr als 20 Kilometer schaffe ich bei diesem Wind sowieso nicht. Doch zwischen Grenze und der nächsten Schutzhütte ist 40 Kilometer lang nichts, nichts, um ein Zelt aufzustellen. Auf dem Weg zurück zur Grenze muss ich nicht einmal treten, nicht ein einziges Mal, und die Straße ist nicht abfallend.

Ich greife zu ungewöhnlichen Maßnahmen, weil ich mir anders nicht zu helfen weiß. Ich ruhe am Nachmittag und breche nach Sonnenuntergang auf. Es ist das erste Mal, dass ich in der Nacht fahre. Der Wind ist ruhiger. Doch auf der sonst leeren Straße kommen mir auf einmal 100 Fahrzeuge entgegen, viele von ihnen weigern sich, das Fernlicht auszuschalten, weshalb ich bald nur noch Lichtstreifen vor den Augen habe, während der Wind wieder stärker wird. Mit Zeitungspapier habe ich die Schuhe ausgestopft, wie ein zweites Paar Socken hält das Papier meine Füße zum ersten Mal seit Wochen warm, sie schwitzen sogar.

Ich schaffe es zur Schutzhütte, doch bin so durchgefroren, dass ich die Nacht durchfriere und mir erst 20 Stunden später wieder warm wird, meine Kleidung ist am Morgen immer noch nass, weil ich mich so warm angezogen habe, dass ich beim Fahren in der Nacht geschwitzt habe. Ich fühle mich furchtbar, nehme mir vor, nie wieder in der Nacht zu radeln. Doch der Wind auf Feuerland dreht sich selten, schläft nie. Bis zu einem bestimmten Punkt ist so ein Wind eine positive Herausforderung, doch wenn er dir tags und nachts um die Ohren bläst, dann fehlt dir irgendwann die Kraft, ihn zu bekämpfen.

Ich versuche in diesen Tagen auch zu trampen, durch die Nacht zu fahren war nicht meine erste Idee. 15 Kilometer nimmt mich ein Arbeitsfahrzeug mit, sonst will niemand halten. Marcus und Nicolas erzählen mir, während wir Mate trinken, dass Ostern sei. Das hatte ich gar nicht auf dem Schirm. Vielleicht will deshalb niemand halten, denn dieses Verhalten ist völlig untypisch für die Feuerländer. 5 Radler hatten mir erzählt, dass sie gar nicht versucht hätten zu trampen und Autofahrer dennoch gehalten hätten, um sie mitzunehmen. Ich bin nicht die einzige, die von Ostern überrascht wird.

Zwei Backpacker tauchen am Abend in der Hütte auf. Sie sind auf dem Weg nach Rio Gallegos. Doch niemand will sie mitnehmen. Und sie haben nicht einmal sperrige Räder. Bis spät in die Nacht versuchen sie es, denn für die Nacht in der Hütte sind sie nicht ausgestattet. Es gibt immerhin eine Matratze, auf der wir zu dritt schlafen – dass ich mal mit zwei Franzosen in einem Bett schlafen würde… Witz lass nach, denn so witzig ist es gar nicht. Die Matratze sorgt nur für eine weiche Unterlage, nicht für Wärme wie meine Isomatte, die im Moment aber auch nicht mehr viel taugt, weil mehrere Luftkammern aufgeplatzt sind. Draußen und in der Hütte sind es wieder um die null Grad, die zwei Franzosen völlig ungeschützt. Sie haben all mein Mitgefühl, mehr kann ich ihnen nicht geben.

Um sechs Uhr kehren sie an die Straße zurück, um 10 stehen sie immer noch dort. Ich friere mit ihnen, während ich in den Sattel klettere. Der Gegenwind ist an diesem Tag zum ersten Mal so ruhig, dass ich in weniger als einer Stunde 10 Kilometer radle – unglaublich – und es am nächsten Tag bis nach Porvenir schaffe – wo es erst einmal Cookies und Äpfel aus den überteuerten Minimärkten gibt – , zum Hafen, zur Fähre, die mich zurück nach Punta Arenas bringt, wo ich mir ein ganzes Hähnchen, geschmacksintensiven Tee und eine Packung Eis gönne, für Geld, das ich sonst in einer Woche nicht ausgebe. Soulfood.

Einen Blick zurück: Heute vor einem Jahr

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