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Kapitel LXX: Von Cusco nach San Luis

Nach einem letzten Blick auf Cusco stürzen wir uns in die Abfahrt zu den Salinas de Maras. Doch wo es hinunter geht, geht es auch wieder hinauf. Bis auf 4300 Meter, durch die Wolken hindurch in den Dschungel.

Stadt, Berge, Dschungel: Bilder aus Peru

Wir verlassen Cusco mit gemischten Gefühlen. Es war wie Urlaub. Urlaub vom Fernsein. Überall Franzosen, überall Deutsche, überall Amerikaner. Und Peruaner, die sich als Peruaner verkleidet haben, um den Touristen ihr peruanisches Gold zu verkaufen. Massache? Alle sprechen Englisch, denn vor allem Amerikaner weigern sich, ein Wort Spanisch zu sprechen. Die Märkte sind ausgeschildert wie ein Supermarkt. Fleisch, Gemüse, Käse, Poncho, Trödel. Visa-Zahlung. Außerhalb von Cusco haben wir Schwierigkeit, mit einem 20-Soles-Schein (5 Euro) zu zahlen.

Zwei Tage haben wir uns durch das koloniale Zentrum, das, von oben betrachtet, wie der gelbe Dotter in einem langgestreckten Spiegelei wirkt, treiben lassen. Zwei Tage lang dekadenzierten wir in einer touristischen Blase, blickten neidvoll auf die gestriegelten Hotelgäste – so ein Hotelzimmer wäre schon nichts Schlechtes, so zur Abwechslung mal, zu den Holzböden und meiner luftleeren Matratze. Zwischen weißen Gesichtern, Fusion Cafés, veganen Restaurants, moderner Kunst, Eis und Bier fühlten wir uns wie zu Hause, wie in Paris oder Berlin. Die Kultur der Peruaner jedoch ist in Cusco so fern wie jene Städte. Cusco verbiegt sich bis zur Unkenntlichkeit für den nie enden wollenden Touristenstrom. Urlaub für uns, den wir genießen. Mit Eis, Gebäck, Kultur. Wir sind erleichtert, als wir all diese europäischen Versuchungen hinter uns lassen, denn sie haben uns so viel gekostet, wie wir sonst in einem halben Monat in Peru ausgeben. Eher mehr.

Die Casa Ciclista hält uns auch nicht zurück, kein Vergleich zur geborgenen Atmosphäre in Juliaca und Uyuni. Freundschaften haben wir dennoch geschlossen und gut geschlafen haben wir unter den Gemälden und Büsten junger Künstler und eine heiße Dusche hatten wir, die erste seit mehr als vier Wochen. Gewaschen, mit vollen Taschen, neuem Hinterrad, neuen Bremsen geht es also steil hinauf. Während wir kaum Luft bekommen, fragen wir uns, wie das die Touristen machen, die aus Deutschland oder Frankreich mit dem Flugzeug anreisen. Wir haben immerhin den Vorteil, seit Wochen auf mehr als 3000 Metern unterwegs zu sein – und kommen immer noch aus der Puste.

Raus aus Cusco, rein in den Regen. Ein Omen für die Zukunft, wie wir im Rückblick Wochen später feststellen werden. Wir schlafen am Rande eines Bergpfads, in einem Haus im Bau, dessen Bau wohl nie vollendet werden wird, denn der Weg zum Haus liegt unter einem abgerutschten Hang versteckt. Wir klettern über eine Mauer, in der zerbrochenes Glas steckt. Zur Abschreckung der Eindringlinge. Antonin klettert zuerst. Ich reiche ihm Taschen und Räder, dann springe ich hinterher. Wir schlafen auf der Dachterrasse, während der Regen auf das Dach trommelt.

Berghoch und hinunter. Die Temperaturen steigen. Ich hyperventiliere. Ob das an dem ungewohnt hohen Sauerstoffanteil auf 2800 Metern liegt? An der Lagune Huaypo vorbei geht es zu den Salinas de Maras, die Berge rufen, in der Ferne können wir sie sehen. Wir halten an einer Raststätte mit Lehmgrill und kochen auf offenem Feuer Pasta zum Mittag. Auf den Weg zu den Salzfeldern von Maras hängt sich ein Hund an unsere Räder, folgt unseren Umdrehungen, hinauf und hinab. Wir nennen ihn Sandwich, geben ihm Wasser, was ihn nicht gerade daran hindert, uns weiter zu folgen. Bis zum Eingang der Salzfelder. No perros. Hunde dürfen nicht zu den Salzfeldern, der Pförtner jagt Sandwich davon. Uns Bricht das Herz.

Unser Weg ins Tal führt mitten durch die Salzfelder, ein Pfad, der die Herzen aller Downhilljäger höher schlagen lässt. Auch meines. Antonin dagegen hat Probleme, rutscht weg in dem Geröll, bekommt die engen Kurven nicht. Ich, mit meinen neuen Bremsen, rase hinunter, als ob ich auf einem Mountainbike sitzen würde. Wir schlafen am Fluss, zwischen wilden Stieren und wildem Aloe Vera, zwischen Kuhscheiße und Plastikmüll. Machupicchu ist nah, doch nicht unser Ziel. 90 Euro kostet der Spaß, dafür, dass wir uns die Plattform mit 800 Touristen teilen müssen. Das haben uns andere Radler berichtet. Doch die Inca-Ruinen liegen sozusagen am Straßenrand, in den Berghängen um uns herum. Die waren verrückt, die Inca, denke ich, als wir durch ein Dorf fahren, das mich an Norditalien erinnert, und an dessen Grenzen sich die Inca-Ruinen aus dem Berg erheben, gigantisch.

Ein weißer Riese in der Ferne zwingt uns zum Anhalten. Während wir Bilder machen, ist uns nicht klar, dass unsere Straße genau zu diesem Berg hochführt. Dann geht es schon in den Aufstieg. So liebe ich es. Flacher Anstieg. Serpentinen. Dichter Wald. Umringt von zerfurchten Giganten. 1700 Meter bergauf. Wie in den Alpen. Kaum ein Auto. Antonin liebt die Abfahrt, doch ich kann den Auffahrten viel mehr abgewinnen, weil sie uns entschleunigt und Gelegenheit gibt, die Landschaft um uns herum aufzunehmen und wertzuschätzen. Nach 1000 Metern können wir fast die ganze Straße einsehen, wie sie sich am Berghang entlangwindet. Kurve um Kurve. Wir trinken das Wasser aus den Bächen, halten im Schatten der Bäume. Bis sie verschwinden. Auf 3800 Metern gibt es keinen Baum mehr. Braune Weite, durch die der Wind fegt. Wir radeln weiter. Bis auf mehr als 4300 Meter. An der Schneegrenze hüllt der Nebel uns ein. Der weiße Riese nur eine Erinnerung.

Die Abfahrt. Als wir aus dem Nebel, aus den Wolken herausbrechen, fliegen wir über ein Plateau, das eingezäunt ist von dicht bewaldeten Schluchten. Zwischen den dunklen Wolken zeigen sich die schneebedeckten Türme der Anden. Ich habe mittlerweile viel gesehen, doch so einen Anblick noch nie. Es ist unbeschreiblich, diese Aussicht, dieses Gefühl, nach diesem Anstieg. Ich lache laut auf. Wir fahren weiter. Und plötzlich Dschungel. Mittendrin. Die Welt lebt. Insekten und Vögel. Feuchtigkeit. Von einer Aussichtsplattform, die uns den nächsten spektakulären Blick ermöglicht, entdecken wir einen Zeltplatz für die Nacht.

One comment on “Schnee und Palmen: Von den Höhen der Anden tief in den Dschungel

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