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Luisa Rische

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Kapitel LXXI: Von San Luis nach Boca Santa Ana

Alle Radfahrer, denen wir begegnen, fahren in die andere Richtung. Warum? Die Regenzeit hat begonnen. Wir fahren stur hinein und stoßen auf reißende Hindernisse.

Stadt, Berge, Dschungel: Bilder aus Peru

Und plötzlich Dschungel… Ich bin zurück in Asien. Insekten. Vögel. Bäume. Palmen. Früchte. Der Dschungel schallt lauter durch das Gehör als jede Stadt, ein natürliches Orchester, das mir immer wieder den Atem raubt, mich immer wieder begeistert. Als ich am nächsten Morgen den Reißverschluss meines Zeltes öffne, hinausspicke, sehe ich als erstes Antonin, der sich mit seinem italienischen Espressokocher, gekauft in Cusco, Kaffee zubereitet. Als zweites sehe ich die schneebedeckten Anden, den Dschungel, die ganze Weite dieser Landschaft. Wir haben auf einem schmalen Plateau geschlafen, eine Klippe, die von der Straßen weg steil ins Tal führt. Nach der Hektik Cuscos in dieser Szene aufzuwachen, löst so viele Endorphine in mir aus, dass ich nie wieder in irgendeine Stadt zurück will.

Was uns nicht davon abhält, zusammenzupacken und aufzubrechen. Die Abfahrt führt uns immer weiter hinunter, bis knapp unter 1000 Meter. So tief war ich das letzte Mal im Juni, in Norden von Chile, in der Atacama. Der Wetterwechsel, von trocken kalt zu feucht heiß, ist ein Schock, den wir gut wegstecken, ich besser als Antonin, der die ersten Tage in der feuchten Hitze leidet. Wir trinken Quinoa-Säfte und essen Kokosnuss-Eis, um uns kalt zu halten. Bäume versorgen uns mit Obst. Orangen, Mangos, Bananen, Litschis, Sternenfrüchte. Alles, was das Herz begehrt. Und noch mehr. Und alles gratis. Antonin erzählt mir, dass er, seit er mit mir reist, sein Budget halbiert hat.

In Quillabamba weist uns der neue Chef der Feuerwehr ab, stattdessen zelten wir am Stadtrand und werden von Mücken überrascht und zerstochen. Zusammen zählen wir 100 Mückenstiche an unseren Beinen. Ein anderes Insekt frisst derweil in der Nacht mein Zelt nach und nach auf. Die Löcher, über die ich anfangs noch lache, haben Konsequenzen (als ich das nächste Mal das Regenzelt spanne, reißt es ein). Wir fahren von Heladeria zu Heladeria, ein Pfad durch Plantagen hindurch führt uns zum Fluss. Wir stecken unsere juckenden Beine in das kühle Wasser und nehmen uns vor, am Abend ein Zeltplatz an diesem Fluss zu finden. Wir haben Erfolg.

Antonin ist schon längst weitergefahren, als ich ein freies, flaches Plätzchen an einem Strand entdecke, nur ein Katzensprung von der Straße entfernt – nicht selten führt die Straße Dutzende Meter über dem Flusslauf entlang. Wir hieven Gepäck und Fahrräder hinunter, mittlerweile ein eingespieltes Team, und springen als erstes in den Fluss hinein, machen uns lang, und genießen die Atempause, die uns das kühle Nass von dem unerträglichen Gejucke der Mückenstiche gewährt. Zelte hoch, Lagerfeuer an, Pasta und Tee. Der Dschungel schläft auch nachts nicht – sowie Antonin. Mich stören die Insekten und Vögel nicht, ich schlafe ein und wache auf mit einem privaten Orchester.

Immer weiter durch die tropische Hitze. Wir finden weiterhin Obst in rauen Mengen, das uns den Aufenthalt im Dschungel täglich versüßt. Antonin hat ein Zeltplatz bei iOverlander entdeckt, er will den direkten Weg neben, doch dazwischen liegt eine Furt. In Erinnerung an meine Abenteuer auf dem Heaphy rate ich davon ab, den Fluss zu durchqueren, weiterfahren wollen wir aber auch nicht mehr. Wir fragen auf der anliegenden Bananenplantage nach, ob wir unsere Zelte am Rande der Plantage aufstellen können. Kein Problem. Und überall finden wir Bananen und Litschi-Früchte, die in armlangen Bohnen stecken und ein Fell haben. Mit den Bananen machen wir Banana-Pancakes und Bananenbrot.

Es ist Regenzeit und der Regen holt uns schneller ein, als uns lieb ist. Warmer Regen macht mir nicht viel aus, ich genieße die Auszeit von der Hitze. Antonin kann über den stundenlang strömenden Regen wenig lachen. In Santa Elena reicht es uns, als wir eine leerstehende Halle entdecken. Auf der Suche nach dem Menschen, der den Schlüssel hat, lernen wir Angel kennen, der uns kurzerhand in sein Haus einlädt. Ein Dach über dem Kopf, zwei Betten, Strom und Essen. Es gibt Suppe mit Chickenfinger, die sich wie Gummi im Mund anfühlen und keinen Geschmack haben. Wir sind zu höflich, um die Hühnerbeine liegen zu lassen.

Als wir wieder trocken sind, radeln wir weiter. Über Kepashiato auf die Todesstraße von Peru – so von anderen Reisenden beschrieben. Wir schlafen an einem Wasserfall. Weil ich eine Eingebung habe, sage ich zu Antonin, schlafen wir unter der Brücke, falls es in der Nacht zu regnen anfängt. Was dann auch passiert. Während der Himmel alle Schleusen öffnet, wagen wir uns am nächsten Morgen wieder auf die Todesstraße, die an diesem Tag ihrem inoffizielle Namen alle Ehre macht. Durch den Regen sind Flüsse und Wasserfälle um ein bis zwei Meter gestiegen. Immer wieder stoppen uns straßenbreite Pfützen und Flussläufe, die quer über die Schotterstraße brettern.

Wir radeln bis zu einem Restaurant, das einsam und verlassen an der Straße im Dschungel praktisch nur auf uns wartet. Unter einem Dach ziehen wir uns aus, die trockenen Pullover an. Wir entdecken Steckdosen, die wir nutzen, um heißes Wasser für einen Tee zu machen. Während wir im Trockenen picknicken, taucht einer der Besitzer des Restaurants auf, Maxi, der uns einlädt, auf der Veranda unsere Zelte aufzuschlagen. Wir haben wieder ein Dach über dem Kopf, Strom und die Küche können wir auch nutzen. Wir braten Nudeln und machen noch mehr Bananenbrot. Am nächsten Morgen lassen wir uns Zeit, lassen unsere Kleidung trocknen, bevor wir weiterfahren.

Nachdem ich in der Nacht Schmerzen in den Beinen hatte, obwohl ich mich eigentlich gut fühle, zeigt sich nun, dass es einen Grund dafür gibt. Sie sind müde. Auch Antonin kämpft. Wir fahren nicht weit, 12 Kilometer, aber immerhin 400 Höhenmeter, als wir an einer Tienda an einer Brücke halten und um Unterschlupf bitten. Kaum haben wir unser Zelt unter dem Strohdach an einer Brücke aufgestellt, fängt es wieder an zu regnen. Während wir kochen, schaut Antonin auf seinem Handy nach, wie viele Höhenmeter wir seit Cusco gefahren sind. 12000, sagt seine App. In 11 Tagen. Das erklärt dann auch die müden Beine.

Es geht weitere 700 Meter steil berghoch, während der Wald um uns herum lichter und stiller wird. Wir schlafen im Freien und wachen zwischen Regen und Nebel am nächsten Morgen auf. Auf dem Weg zur Passhöhe genießen wir selten lichte Momente, die uns einen atemberaubenden Blick auf die bergige Dschungelwelt gewähren. Die Passhöhe überrascht mit einer Polizeikontrolle. Passkontrolle. Drogenkontrolle. Tatsächlich hatte ich mir schon während der letzten Tage ausgemalt, wie die Schmuggler über die verlassene Straße durch den Regen fahren, die Bauern Kokain aus Kokablättern gewinnen. Die Kulisse könnte nicht besser sein für einen Blockbustet. Auch dass die Obstplantagen heruntergekommen und verlassen aussehen, und die französische Regierung davor warnt, diese Region zu bereisen, könnten Indizien dafür sein, dass die Todesstraße nicht nur in der Regenzeit ihrem Namen alle Ehre macht.

2 comments on “Über Perus Todesstraße durch den Dschungel

  1. Tino Salzwedel sagt:

    Alles total toll !!!!!!!!!!

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  2. Tino Salzwedel sagt:

    ups, es ist immer wieder super spannend und interessant von dir zu lesen.
    Immer weiter ….. wie lange und weit denn noch ? 🙂
    Noch ein Jahr ? Oder noch mehrere ?

    LG
    Tino aus Lübeck

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